3. Folgen für die Organisation und Verwaltung im Gesundheitswesen

3.1. Positive Effekte :

Eine Verbesserung in der Organisation und Verwaltung im Gesundheitswesen, wird ebenfalls durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie bewirkt. Die Informationen können schneller ver- und bearbeitet werden, wodurch beispielsweise in einem Krankenhaus das Pflegepersonal entlastet wird und sich auf die Patientenpflege konzentrieren kann. Werden standardisierte Verfahren, wie z.b.: die Archivierung von Daten, automatisiert können Kosten eingespart werden.

Auch Krankenkassen profitieren von dem Technikeinsatz, da sie mit Hilfe des Diagnosecodes "ICD 10" und in kurzer Zeit eingeführten "SmartCard" und "DataPool" das Auffinden von Abrechnungsfehlern optimieren können. Ebenfalls können Personalkosten verringert werden. Letztendlich führt dies zur Entlastung des Beitragszahlers und kann den Anstieg der Lohnnebenkosten mindern.

3.2. Negative Effekte :

Im Zuge der Europäisierung befinden sich die nationalen Krankenkassen, Private wie Gesetzliche, zunehmend unter Konkurrenz. Aus wirtschaftlichen Interessen werden sie daher die neuen informationstechnologischen Errungenschaften auch für die Rationierung und Einsparung nutzen, die auch negative Folgen für den Patienten hat.

Seit dem 1. Januar 2000 sollen Ärzte ihre Abrechnungsdaten computerlesbar und nach dem Diagnosecode "ICD 10" verschlüsselt an die Krankenkassen geben. Der Code "ICD 10" ist eine internationale Klassifikation von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es sind für deutsche Verhältnisse auch irrelevante Angaben zu finden, wie etwa ein "Biß durch Alligator" oder "Opfer von Vulkanausbruch".

Die KBV bezeichnete die heftige Kritik an der Reform wegen angeblicher Verstöße gegen den Datenschutz als "überzogen". Das Zusammenführen von Patientendaten bei den Kassen diene vorwiegend der Information und Kontrolle der Kassenärzte, sagte Hesse der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die anonymisierten Daten würden nur dann mit den persönlichen Daten des Patienten zusammengeführt, wenn dies etwa für Wirtschaftlichkeitsprüfungen von Arztpraxen notwendig werde.

Desweiteren einigte man sich auf den letzten europäischen Ärztetages auf die Einführung von "SmartCard" und dem zugehörigen "DataPool". Mit diesen Instrumenten gewinnen die nationalen Krankenkassen zunehmend an Macht und Einfluß.

Insgesamt kann man drei Folgen absehen: Gläserner Patient, Beeinträtigung des Arzt-Patienten-Verhältnisses, Klassifizierung und Diskriminierung des Patienten.

3.2.1. Gläserner Patient

Die Krankenkassen erhalten somit Einblick über die gesamte "Krankenkarierre" eines Patienten, sowie über dessen Lebensweise. Die Grenze zur Überwachung bzw. zur Spionage ist mitunter als fließend zu betrachten.

3.2.2. Beeinträchtigung des Arzt-Patienten-Verhältnissen

Aufgrund der massiven Informationsweitergabe des Arztes gegenüber den Krankenkassen und auch an anderen Ärzten mittels des "DataPools" ist das Arztgeheimniss praktisch nicht mehr existent. Auskünfte, die in einer speziellen Situation einer speziellen Person anvertraut wurden, werden allgemein dem Verwaltungs- und Diagnoseapparat zugänglich gemacht.

Weiter ist es vorstellbar, dass Krankenkassen Ärzte bindende Therapievorschläge machen, da sie wirtschaftlicher als die angestrebte wäre.

3.2.3. Klassifizierung und Diskriminierung

Im Zuge des zunehmenden innereuropäischen Konkurenzdrucks, streben Krankenkassen einen sogenannten Risikostrukturausgleich an. Dieser besagt, dass potentiell kostspieligere Patienten auch höhere Beiträge zahlen müssen. Es kommt also zur Klassifizierung von Patienten in tragbar und nicht tragbar, sowie zur Diskriminierung zwischen armen und reichen Beitragszahlern.

Als sogenannte Risikomitglieder sind ältere Mitglieder, Mitglieder mit riskanten Hobbys oder Berufen und Mitglieder mit einem genetischen Potential, dass Krankheiten begünstigt.

Genomanalysen verhelfen, dann nicht nur Ärzte zu optimalen Diagnosen, sondern auch Krankenkassen zur optimalen Mitglieder-Einstufung in Risikogruppen.

2. Medizinische Versorgung
- Inhalt -
4. Arbeitsmarkt


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