7. Schlußfolgerungen

Fazit der Umfrage :

  • Große Resonanz in einer recht kurzen Laufzeit der Umfrage.
  • Bedarf an Informationen und vor allem Informationen zu diesem Bereich sehr hoch.

Schlußfolgerungen und Zukunftsaussichten :

Krankheit wird zum Informationsproblem.

Die Krankheitsursachen lassen sich immer schwieriger ausfindig machen. Der Einzelne kann die Gefahren nicht mehr überschauen und es besteht die Befürchtung, daß sie überall lauern können. Sonnenbaden unter dem Ozonloch, Asbest im Kindergarten, Elektrosmog oder genmanipulierte Lebensmittel -> angesichts der Gefahren, die auf die Menschen umittelbar zukommen, versagen die menschlichen Sinne. Genau deshalb nimmt auch die Bereitschaft zu, auf Technik zu vertrauen.

Obwohl während der vergangenen zehn Jahre bereits große Fortschritte im Bereich der Informationstechnologie gemacht wurden, lassen die nächsten Jahre Entwicklungen erwarten, die alles bisherige in den Schatten stellen. Zum ersten Mal wird die Informationstechnologie einen wirklichen Anstoß für Veränderungen geben und nicht nur auf vorhandene Änderungen reagieren. Unter solchen Gegebenheiten liegt die entscheidende Frage nicht darin, ob, sondern wie die Technologie zum Nutzen des Patienten und aller am Gesundheitswesen Beteiligten eingesetzt werden kann.

Das Sicherheitsproblem beim Einsatz der Technik

Für die Komponenten, von denen jede Technologie abhängig ist, ist keine ständige fehlerfreie Funktionalität zu gewährleisten. Zu viele nicht einzukalkulierende Aspekte haben Teil an der korrekten Arbeitsweise der Technologie

Angst vor der Machtlosigkeit bei Aussetzung der Maschinen (bleibt auch weiterhin).

In absehbarer Zukunft wird es keine 100% fehlerfreie und vollständig funktionierende Technologie auf dem Markt geben. Bestreben, Fehlervorkommen so weit wie möglich zu minimieren, so umfangreiche Tests wie möglich mit der Technologie durchzuführen, evtl. Technologie-TÜV (teuer, evtl. extra Personal/Behörde für diesen Zweck) für Technologie in der Medizin (aber schwer zu realisieren, da es so viele neue Technologien gibt, die dann alle vor Markteintritt kontrolliert werden müßen), um die Gefährdung der in der Medizin arbeitenden und zu versorgenden Menschen so weit wie möglich auszuschließen.

Das Verfügbarkeitsproblem der Patientendaten

Sicherheit in der Datenverwaltung muß gewährleistet werden. Gefahren durch Aufnahme und Verfügbarkeit der Daten :

Wer wird seinem Arzt, in dessen Händen die eigene Gesundheit liegt, den gewünschten Zugriff auf heikle, aber für die gegenwärtige Behandlung irrelevante Daten - z. B. des Psychiaters - verweigern, wenn dadurch voraussehbar das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zerstört wird?

Neben dieser besonderen psychologischen Abhängigkeit im Arzt-Patienten-Verhältnis ist jeder SmartCard-Inhaber auch einem sozialen Druck ausgesetzt: Selbst in einem begründeten Einzelfall müßte man erst einmal die Vorlage der Karte verweigern - etwa, um vor einer Operation eine unbeeinflußte zweite Meinung eines anderen Facharztes einzuholen. Informationelle Selbstbestimmung wird dann zur rechtfertigungsbedürftigen Ausnahme.

Besonders bedenklich wird es, wenn ein Arbeitgeber bei einer Bewerbung oder ein Versicherungsunternehmen für den Abschluß einer Lebensversicherung Zugriff auf die SmartCard-Daten wünscht. Die faktische Unterlegenheit des Arbeitsplatzsuchenden oder des Versicherungskunden wird eine freiwillige Entscheidung kaum zulassen. Die Weigerung, die Karte vorzulegen, möglicherweise sogar die Behauptung, eine SmartCard - entgegen der gesellschaftlichen Normalität - gar nicht zu besitzen, wird den gewünschten Vertragsabschluß gefährden.

Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder am 9./10. November 1995 ergänzten und vertieften die Datenschutzbeauftragten ihre Positionen vor dem Hintergrund der ersten Erfahrungen mit Modellprojekten. Oberstes Ziel bleibt die Erhaltung der Entscheidungsfreiheit des Betroffenen im Einzelfall, der Qualität des therapeutischen Arzt-Patienten-Verhältnisses und der Sicherheit der medizinischen Daten. In der gemeinsamen Entschließung heißt es: Die freie Entscheidung der Betroffenen (Patienten/Versicherten), eine SmartCard zu verwenden, muß gewährleistet sein.

Die Rolle des Staates - Kontrollierte Zulassung und Einsatz von neuen Technologien - Das Haftbarkeitsproblem

Es ist seine Aufgabe, in Rechtsbeziehungen mit typischerweise ungleichen Partnern den unterlegenen Teil zu schützen. Eine Kommunikation unter Vorlage der Karte mit Personen oder Stellen außerhalb des Arzt-Patienten-Verhältnisses, z. B. Arbeitgebern oder Versicherungen, muß vom Gesetzgeber untersagt werden . . . Der Gesetzgeber muß die Patienten vor ,billigen Gesundheitskarten` ohne ausreichende Sicherung vor einer Nutzung durch Dritte schützen. Es darf keine ,Einwilligung` in SmartCard und SmartCard-Systeme mit verminderter Datensicherheit geben." Zum Schutz des Arztgeheimnisses ist eine technische Lösung denkbar, die einen Datenzugriff nur über eine ausdrückliche Freigabe durch den Arzt zuläßt, der die Daten - mit Einwilligung des Patienten - auf der Karte gespeichert hat. Insgesamt geht es dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten nicht um den Boykott der SmartCard-Technologie, sondern um einen bewußten und überlegten Umgang mit ihr. (Quelle : Hamburger Datenbeauftragte)

Chancen der Telemedizin und weitere Risiken

Die sinnvolle Vernetzung von Medizintechnik und Optimierung von Abläufen im medizinischen Alltag wird enorme Kosten sparen. Weg vom Arzt als Einzelkämpfer hin zum gemeinsamen Ziel, den Patienten zu heilen.

In Deutschland wie auch in den restlichen westlichen Ländern, wird vom Gesundheitswesen gefordert, immer größere Leistungsfähigkeit zu bringen. Demgegenüber steht aber die Hemmnis, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, damit es bezahlbar bleibt. Bei dieser angestrebten Entwicklung werden u.a. an die Medizintechnik, große Erwartungen gestellt. Das Problem dabei ist aber, daß das Angebot an effizienter und einsatzfähiger Technik und neuen, leistungsfähigeren Verfahren vielfach nicht dem Bedarf gerecht wird. Für die Menschen der Gesellschaft, die im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen und deren Bedürfnisse erfüllt werden sollen, entstehen Veränderungen :

  • steigende Lebenserwartung in den Industrieländern (u.a. entsteht wachsendes Gesundheitsbewußtsein der Öffentlichkeit ).

Ohne Ausnutzung der Technik kann dem Wunsch nach effizienter, genauer Arbeit einerseits und Verringerung der Kostenexplosion nicht realisiert werden :
-> sinnvoller Einsatz der Informationstechnologien
-> Entstehung neuer Behandlungsmethoden auf Basis der Techniknutzung.

Die entscheidende Entwicklung der computerisierten Medizin vollzog sich in den letzten 10 Jahren.
Durch einen allgemein verfügbaren Informationsfluß konnte eine derartige Entwicklung Formen annehmen :
Die Kommunikation von Ärzten zwischen Kliniken einer Stadt, zweier Länder oder gar Kontinenten, ermöglicht eine bessere, kompetentere Behandlung und Betreuung der kranken Patienten. Eine nicht zu verachtende Auswirkung auf die Bevölkerung einer Gesellschaft ist dabei, daß sie selbst nur einen beschränkten Zugriff auf ihre persönlichen medizinischen Daten hat. Im Zuge der steigenden Selbstbestimmung wird der Wunsch des Einzelnen groß, selbst nach Kenntnissen über seinen Gesundheitsstand weitere Entscheidungen zur Behandlung zu treffen und alle möglichen Alternativen selbst abzuwägen. Von einer derartigen Entwicklung ist die computerisierte Medizin noch weitestgehend entfernt.

Problem :

  • gewisse Korrektheit der Daten muß gewahrt werden, durch Zugriff des Patienten auf Karte nicht mehr gegeben.
  • muß Arzt gesamte Karte lesen um Behandlung vorzunehmen,
-> bei Fehlentscheidung des Arztes
-> Schuld, weil er nicht alles gelesen hat ?

Die Gesellschaft fordert eine umfassende Verbesserung der Behandlungseffektivität und Qualität im Gesundheitsbereich. Durch Informationsreichtum kann es erhebliche Auswirkungen auf das Arzt-Patient-Verhältnis haben : So kann es sein, daß ein Patient dem Arzt gegenübersitzt und über seine Krankheit mind. genauso gut bescheid weiß.

Durch den Anstieg von Schadensersatzklagen wird deutlich, daß nicht die Arbeitsweise der Ärzte mit der Zeit schlechter wird, sondern daß sich die Patienten immer mehr Gedanken über ihre Gesundheit machen. Sie stellen somit die vorhandenen und zukünftigen Leistungen in Frage.

Statt Patienten in eine Vielzahl verfahrensorientierter Spezialkliniken zu schicken, wünscht man sich heute effiziente, patientenfreundliche und symptomorientierte Kliniken und Behandlungszentren. Diese können viel besser eine vom Patienten ausgehende und auf ihn bezogene Entscheidung treffen, welche Behandlung oder welcher Eingriff jeweils für ihn geeignet ist, wobei die Interessen und Wünsche des Patienten durchaus einbezogen werden.

Aufgrund der erheblichen Arbeitsbelastung des Personals im medizinischen Bereich wird sich die bisher übliche Abneigung gegen eine Änderung der Arbeitsweise sicher bald der Einsicht beugen, daß hier eine grundlegende Überprüfung der Verfahren nötig ist, und die Bereitschaft dazu erhöht werden muß. Besonders unter den jüngeren Mitarbeitern, die sich für Informationstechnologie interessieren, wächst das Bewußtsein, daß grundlegende Änderungen nötig sind, um den wachsenden Marktanforderungen gerecht zu werden, ohne gleichzeitig erschwerte Arbeitsbedingungen hinnehmen zu müssen bzw. gar Arbeitsplatzverluste.

Patientendokumentation :

  • für verwaltungstechnische Berichte
  • spezielle patientenbezogene Pflege

Informationsvielfalt : bessere Integration innerhalb der Organisationseinheit, innerhalb des medizinischen Personals und zwischen medizinischem Personal und Verwaltung sowie mit weiteren Gesundheitsorganisationen.

Bei Anwendungen im Gesundheitsbereich sind Datenschutz, Protokolleinträge und die Gewährleistung eines berechtigten Zugriffs von entscheidender Bedeutung. Verbesserte Verschlüsselungstechniken zusammen mit der SmartCard-Technologie für die Identifikation der Ärzteschaft und der Patienten bieten Lösungen für viele der kritischen Fragen zu Datensicherheit und Datenzugang.

CliNet - Verein zur Förderung der Kommunikation zwischen medizinischen Einrichtungen, Ärzten und Organisationen des Gesundheitswesens e.V. (Quelle : CliNet e.V.)


Den Computern sollte der gleiche Stellenwert eingeräumt werden wie anderen medizinischen Geräten, vom Skalpell bis zum Tupfer, auch.

Die kommerziellen Interessen müssen den medizinischen untergeordnet werden. Der Patient muß im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen und nicht die Sparpolitik im Gesundheitswesen.

Kann der Computer den Arzt/ das Pflegepersonal jemals ersetzen und soll er das überhaupt ?

Zwei Kommentare zum Computereinsatz in der Medizin

Computer sind nützlich, und erleichtern die Arbeit erheblich, aber nicht unbedingt die Arbeit auf Station. Ein Computer kann beispielsweise nicht die Pflege übernehmen. Pflegen ist menschlich.

MAN DARF NIEMALS DIE VOLLSTÄNDIGE KONTROLLE DEM COMPUTER ÜBERLASSEN ! DIE EVENTUELL EINTRTETENDEN FOLGEN SIND NIEMALS VOLLSTÄNDIG ABZUSCHÄTZEN UND KÖNNEN VERHERENDE FOLGEN NACH SICH ZIEHEN !


Der Patient wird zu sehr nach seinen Laborwerten beurteilt und zu wenig danach, wie er sich fühlt. Ein Computer kann den Patienten nicht über seine Lebensweise ausfragen und keine Krankheitsursachen feststellen. Man kann eine Krankheit nur dadurch heilen, daß man die Ursache herausfindet und beseitigt. Das geht nur im Gespräch mit dem Patienten.

Der Computer kann und soll den Arzt nicht ersetzen, sondern ihn bei seiner Arbeit optimal unterstützen und entlasten. Zukünftig wird eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Medizinern und den Informatikern unerlässlich sein, um effiziente, auf die anstehenden Aufgaben einzusetzenden Technologien in die Krankenhäuser und Praxen zu bringen, um letztendlich die derzeitigen Defizite in diesem Bereich grundlegend zu entfernen.


6. Studienergebnisse
- Inhalt -
8. Quellenangaben

© by Andreas Hadel und Birgit Hadel
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