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PowerTraining (Magazin-Nr. 32) - 4. Jahrgang   
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See Arnold Run - Die TV-Biographie über Arnold Schwarzenegger


von Andreas Hadel

    Der Name Arnold Schwarzenegger ist selbsterklärend. Man muss nicht erwähnen, dass er im Bodybuilding neue Maßstäbe setzte, sein Glück in Amerika suchte und dort den viel zitierten amerikanischen Traum Wirklichkeit werden ließ und mit seiner Wahl zum Staatsoberhaupt von Kalifornien krönte.

    Arnold Schwarzenegger ist ein Mythos. Da verwundert es also wenig, dass sich schnell eine Produktionsfirma fand, die Arnolds Biographie für das U.S.-amerikanische Kabelfernsehen filmisch in Szene setzte.

    Der Film springt zwischen 1975, als Arnolds vierter Mr. Olympia-Triumph mit "Pumping Iron" dokumentiert wurde und seiner Wahl zum kalifornischen Gouverneur im Jahr 2004 und versucht damit zwei richtungsweisende Kapitel in Schwarzeneggers Leben einzufangen.

    Obwohl das Budget und die vorgesehene Produktionszeit äußerst knapp bemessen waren, versuchten die Macher ein realistischen Bild von Arnold Schwarzenegger zu zeichnen. Hierfür standen ihnen die populäre Talkmasterin und Vertraute von Maria Shriver, Oprah Winfrey, der ehemalige Mr. Olympia Frank Zane sowie der Politologe Bill Bradley als Konsultanten zur Verügung.

    Die Rolle des jungen Arnold mimt der Österreicher und Bodybuilder Roland Kickinger. Kickinger nahm zweimal als Profibodybuilder an den "Arnold Schwarzenegger Classics" teil und gelangte in den USA als Model und Seriedarsteller zu Bekanntheit. Mit "See Arnold Run" hofft er, seinen endgültigen Durchbruch als Schauspieler zu schaffen.

    Angesprochen auf die Gemeinsamkeiten zwischen Arnolds und seiner eigenen Biographie sagte Kickinger: "Deswegen war es für mich sehr leicht in diesen Charakter zu schlüpfen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als Immigrant in ein fremdes Land zu kommen und bei absolut Null anzufangen."

    Mariel Hemingway wird zwar ein großes künstlerisches Talent bescheinigt, aber auch sie wartet noch auf die ganz großen Rollen aus Hollywood. Hemmingway spielt Maria Shriver in den beiden zeitlichen Kapiteln der Handlung und hat damit Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen.

    Ein Schauspieler, der bereits mehrfach große Filmehrungen entgegennehmen durfte, ist Jürgen Prochnow. Der 63 jährige Deutsche spielt den Arnold der Gegenwart. "Natürlich hat mir am Anfang die Vorstellung, Arnold zu spielen, etwas Angst gemacht," gibt Prochnow zu. "Das war für mich wirklich eine echte Herausforderung. Weil er ja alltäglich präsent ist und mich jeder mit ihn vergleichen kann." Prochnow fügt hinzu, dass es ihm nicht so sehr darum ging, Arnold äußerlich so ähnlich wie möglich zu kommen, sondern seinen Charakter wiedergeben wollte. "Meine Vorbereitungen bestanden hauptsächlich daraus seinen Akzent, sein Sprachrhythmus und die Art, wie er sich bewegt und dabei Kraft und Vertrauen ausstrahlt, zu imitieren."

    Aber auch die Maskenbildner gaben ihr Bestes, um Prochnow einige Merkmale von Arnolds Äußeren zu geben. "Sie haben mein Haar gewaschen, getrocknet, dann wieder gewaschen und noch einmal getrocknet, damit es so aussieht wie seins. Wir haben außerdem versucht, meine Gesichtshaut etwas nach unten zu ziehen, weil wir glauben, dass Arnold sich hat Liften lassen. Okay, ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt. Aber es sieht jedenfalls so aus."

    Angesichts der prominenten Berater und des Schauspielerfeldes, angeführt von Charaktermime Prochnow, gingen die Produzenten von einer erfolgreichen Filmproduktion aus. Eine Fehleinschätzung, wie sich anhand des vernichtenden Urteils seitens angesehener Filmkritiker herausstellen sollte.

    "See Arnold fall" titelte der Journalist Hal Boedeker im Sentinel seine Kritik zu "See Arnold run". "Arnold Schwarzenegger hat nun einen weiteren Grund, sich mit der Kennedy-Familie verbunden zu fühlen. Auch sein Leben wurde außerordentlich schlecht verfilmt", schreibt Boedecker weiter. "Allein der Ansatz, eine Gouverneurswahl und einen Bodybuildingwettbewerb miteinander zu vergleichen, ist eine schlechte Idee. Trotzdem hätte es klappen können, falls 'See Arnold run' eine Satire hätte werden sollen. Stattdessen sahen wir eine weitere halbherzige Biographie, die praktisch aus Schlagzeilen bestand und einige sehr fragwürdige Versionen von privaten Momenten im Leben der Titelfigur. Insgesamt kann der Film weder auf einen echten Handlungsstrang verweisen, noch zeichnet er ein klares Bild von Schwarzeneggers Charakter."

    Auch die Darsteller konnten Boedecker nicht überzeugen: "Die beiden Schauspieler, die sich die Titelrolle teilten, spielen diese äußerst unterschiedlich und haben damit ebenfalls den Film in seiner Glaubwürdigkeit untergraben. Roland Kickinger spielt den Schwarzenegger als eine lebende Cartoon-Figur, die fortwährend 'ich bin breit, breit, breit und ich werde breiter, breiter, breiter' von sich gibt. Jürgen Prochnow hat zwar die Schwarzeneggersche Aussprache von 'Cal-EE-forn-yuh' drauf, ihm fehlt aber völlig das Charisma des Gouverneurs und erreicht einen neuen Tiefpunkt in seiner Karriere. Prochnow portraitiert den politischen Neuling als eine wilde Mischung aus Komödiant, Genie und Trottel. Mir ist nicht ganz klar, ob Regisseur J.B. Rogers (American Pie 2) und Drehbuchautor Matt Dorff den kalifornischen Gouverneur bewundern oder fürchten."

    Lediglich mit Hemmingways Darstellung von Schwarzeneggers Ehefrau zeigt sich der Kritiker abschließend zufrieden: "Maria Shriver kommt dabei viel besser rüber. Der Film präsentiert die Journalistin als kämpferisch, klug und zielstrebig. Mariel Hemingway hat eine sehr gute Leistung gezeigt."

    Auch bei anderen Kritikern kam der Film nicht besonders gut an. Wenngleich sie jedoch die Leistung der Schauspieler unterschiedlich beurteilten. So schrieb zum Beispiel der Filmkritikerr Tom Shales vom "Memphis Flyer":

    "Der Film bricht mit einer alten Filmtradition. Und zwar, dass man bei der Verfilmung der Biographie einer noch lebenden Person, Schauspieler engagiert, die weitaus besser aussehen und viel glamouröser wirken. Der echte Arnold sticht Prochnow jedoch in jeder Beziehung aus. Der grimmig wirkende Jürgen Prochnow vermeidet zwar, Arnold direkt zu kopieren, aber seine Versuche, kraftvoll zu wirken, sind lächerlich.

    Ähnliches trifft auch auf Mariel Hemingway zu. Obwohl sie mit Sicherheit äußerst schön aussieht, scheint sie nur ein lausiger Ersatz für die echte Maria Shriver zu sein. In einer Szene warnte sie Arnold vor einer politischen Karriere mit den folgenden Worten: 'Politik ist die Hölle. Schlimmer als die Hölle. Ich weiß das. Ich bin die Medien'. Im ernst, glauben Sie, dass Shriver so etwas wirklich jemals gesagt hat?

    Der Kerl, der den jungen Arnold spielt, ist gutaussehender als es Arnold je war und besitzt sogar etwas Charisma. Einige der 70er Jahre Szenen mit Kickinger sind wirklich gut und hätte es mehr von ihnen gegeben, wäre der Film insgesamt besser gewesen. Aber die Macher zogen es vor, sich auf die zahlreichen Meetings von Arnold und seinen politischen Beratern zu konzentrieren. Und wie wir alle wissen, gibt es nichts langweiligeres als Meetings."

[ Allgemeine Hinweise ] | [ Literaturverzeichnis ]

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