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Im Portrait: Gundula Fiona von Bachhaus
von Andreas Hadel
Von den vielen Namen, die sich um den Kraftdreikampf verdient gemacht haben, wird einer für immer untrennbar mit dem Sport verbunden sein: von Bachhaus.
Anton von Bachhaus setzte entscheidende Impulse für eine positive Entwicklung des nationalen und internationalen Kraftdreikampfs, führte zu Beginn der 80er Jahre das Powerlifting-Equipment in Deutschland ein und war Trainer der Frauennationalmannschaft. Seine Frau Godula gewann u.a. drei Deutsche Meistertitel und veröffentlichte Artikel, die für viele Kraftsportler eine aktuelle Informationsquelle und gleichermaßen Inspiration für die Trainingsplangestaltung waren. Beide waren in ihrem offenen Wesen und ihrer stetigen Hilfsbereitschaft eine Bereicherung für die große Kraftdreikampffamilie und Wegbereiter vieler heutiger Karrieren. Zwei Menschen, die den Kraftsport und seine Menschen bewunderten, unterstützten und liebten. Tochter Gundula Fiona, die aus der Verbindung dieser beiden Menschen hervorging, geht den Weg ihrer Eltern weiter.
Am 18. Mai 1981 wurde Gundula in Charlottestville im amerikanischen Bundesstaat Virginia geboren. Als sie noch ein Kleinkind war, beschlossen ihre Eltern nach Deutschland zu siedeln. Ihre zweisprachige Erziehung und eine tiefe Verbundenheit mit den USA sind Zeugnisse ihrer amerikanischen Herkunft.
Schon sehr früh kam Gunda mit dem Kraftdreikampf in Berührung: "mit 3 Jahren habe ich zugeschaut, wie mein Vater meine Mutter trainierte." Dennoch führte ihr Bewegungsdrang sie zunächst zum Ballet und dann zur Leichtathletik. Dank ihrer Fähigkeiten, selbst komplexe Bewegungsanforderungen ohne große Probleme umzusetzen, wurde der leichtathletische Siebenkampf zu ihrer Disziplin. "Aber auch die 400m Hürden lagen mir sehr gut. Im Sprint, Weitsprung, Speer und Hürden war ich ziemlich gut für meine Verhältnisse. Auf 200m rannte ich 26,5s , im Weitsprung war meine Bestmarke bei 5,26m und den Speer brachte ich knapp unter die 40m Marke. Das alles mit ca. 17 Jahren. Langstrecken haben mir nicht gefallen, auch wenn ich gar nicht mal so schlecht darin war. Das ist einfach zu anstrengend."
Als Gundula 16 Jahre alt war, nahm sie zum ersten Mal mit ernsthaften Absichten eine Hantel in die Hand. Leichtes Fitnesstraining sollte in erster Linie muskuläre Disbalancen ausgleichen, die von der Leichtathletik herrührten. "Mein linker Arm und rechtes Bein waren viel muskulöser. Etwas später, als ich die Unterschiede mit dem Hanteltraining kompensieren konnte, machte ich parallel zur Leichtathletik weiter. Als Ausgleich und um ein wenig mehr Kraft für Sprint, Sprung und Wurf zu entwickeln."
Um ihr Wachstum nicht zu behindern, trainierte sie zu dieser Zeit bewusst sehr umsichtig und mit betont leichten Gewichten. "Mein Vater brachte mir die Kniebeuge und das Bankdrücken bei, später als ich ihm mit 18 Jahren es erlaubte, auch das Kreuzheben."
Ihre noch junge Erfolgsgeschichte im Kraftdreikampf begann praktisch mit einem fließenden Übergang aus dem Fitnesstraining. " Von Anfang an war ich ziemlich stark und irgendwann beschloss ich auch mal einen Kraftdreikampf-Wettkampf mitzumachen." Und so nahm sie kurzentschlossen 1998 an der Landesmeisterschaft teil. Bei einem Körpergewicht von 54 kg beugte sie 85 kg, drückte 55 kg auf der Bank und zog 110 kg im Kreuzheben in die Höhe. Ihre damalige Leistung ist an sich schon beeindruckend. Wenn man jedoch weiß, dass sie ihren ersten Wettkampf gänzlich ohne spezielle Kraftdreikampfkleidung bestritt, werden sie regelrecht zu einer Offenbarung ihrer Gabe.
"Seitdem hat mich nicht nur das Fitnesstraining oder die Leichtathletik begeistert, sondern auch der Kraftdreikampf". Bis 2001 nahm Gunda sowohl an Leichtathletikwettbewerben als auch an Kraftdreikämpfen teil, bis sie schließlich von ihrem Talent überzeugt war und sich fortan mehr auf den Kraftsport konzentrierte.
"Aber die Leichtathletik bleibt meine Lieblingssportart. Sie beschreibt so sehr das Fundament für jeden Sport, ist ästhetisch und edel", sagt Gunda. Vielleicht ist das der Grund, warum sie neue Freundschaften humorvoll mit der Frage schließt: "Machst Du nur Kraftdreikampf oder auch einen richtigen Sport?"
Nach ihrer Spezialisierung auf den Kraftdreikampf ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Bereits bei ihrer zweiten Deutschen Meisterschaft, belegte Gunda im Jahr 2002 mit 372,5 kg im Total den ersten Platz und wurde für den Juniorennationalkader nominiert.
Im Jahr 2003 wechselte Gunda vom KSV Langen nach Rüsselsheim zum Fitness-Club Rhein-Main, als schwere Knieprobleme ihre sportliche Laufbahn zu beenden schienen. Mit Hilfe von Markus Schick und Udo Krüger sowie großer Eigeninitiative stellte sie ihre Technik um und baute behutsam ihre Leistungsbasis aus.
Ihren internationalen Einstand gab sie im selben Jahr im tschechischen Nymburk mit einer Dreikampfleistung von 392,5 kg, die ihr den dritten Rang auf den Europameisterschaften einbrachte. Dank ihres beharrlichen Trainingseifers konnte sie schließlich auch auf der Weltmeisterschaft mit 442,5 kg den Bronzerang belegen. Dass sie 2003 auch ihren Deutschen Meistertitel verteidigen konnte, war die logische Konsequenz ihrer beständigen Leistungssteigerung.
Auch im Wettkampfjahr 2004 hob Gunda international ganz oben mit. Zuerst errang sie im Sommer mit 440 kg den zweiten Platz auf der Europameisterschaft und schloss dann im Herbst ihre internationale Juniorenkarriere im südafrikanischen Pretoria mit einem Medaillenregen ab. Mit der Dreikampfleistung von 460 kg sicherte sie sich in Südafrika gleich drei Dinge auf einmal: den zweiten Platz in der Gesamtwertung, eine Silbermedaille und den Titel "Vize-Weltmeisterin". In der Einzelwertung der Disziplinen gelang ihr im Bankdrücken zudem ein weiterer Clou, als sie sich mit 117,5 kg die Goldmedaille erkämpfte. Eine weitere Silbermedaille erhielt sie im Kreuzheben durch die bemerkenswerte Leistung von 177,5 kg.
Vier Wochen nach ihrem großartigen Weltmeisterschaftsauftritt verabschiedete sich Gunda auf der Deutschen Meisterschaft auch national von dem Juniorenlager und hob ihre bis heute gültige persönliche Bestleistung von 477,5 kg.
Obwohl ihre lange Liste an Erfolgen anderes vermuten lassen könnte, sind Titel für Gunda von untergeordneter Bedeutung. "Es geht mir meist um meinen eigenen Vergleich, meine Progression. Ob die anderen stärker oder schwächer sind, darauf habe ich ohnehin keinen Einfluss. Aber ich kann an mir arbeiten und mich beeinflussen", erklärt die Studentin der Sportwissenschaft ihre ganz persönliche Einstellung.
Auch 2005, ihrem ersten offiziellen Jahr bei den Aktiven, gibt es für Gunda viele Möglichkeiten neue Bestmarken zu setzen. In Rüsselsheim, Hessen, ließ sie keine Fragen offen, wer in Deutschland die Klasse -67,5 kg bei den Damen beherrscht. Mit satten 177,5 kg Abstand zur Zweitplatzierten Ines Naarmann gewann Gunda souverän ihren ersten Deutschen Meistertitel im Kraftdreikampf der Aktiven.
Auch international sieht sich Gunda nun einem neuen Feld von Konkurrentinnen gegenüber, das mit vielen starken Athletinnen aufwartet. Europaweit stehen die Chancen einen Treppchenplatz im Kraftdreikampf als auch im Bankdrücken in absehbarer Zeit zu erreichen, nicht schlecht. Für einen Platz unter den Top-3 der Weltelite muss die willensstarke und geduldige Athletin nun ein weiteres Mal einen langen und steinigen Weg, voller Verzicht, Entbehrung und Hingabe gehen.
Um ihre Ziele im Kraftdreikampf zu erreichen, trainiert Gunda in der Regel dreimal pro Woche. Je nach Vorbereitungsphase unterscheidet sich ihr Training in bestimmten Dingen, folgt jedoch vom Grundaufbau immer dieser Einteilung:
Innerhalb von sieben Tagen führt Gunda drei Einheiten Bankdrücken aus. Diese drei Trainings unterteilt sie je nach Intensität und Zielstellung in leicht, schwer und Technik. An ihrem leichten Tag arbeitet sich die Juniorenweltmeisterin im Bankdrücken durch drei Sätze zu acht Wiederholungen. In der schweren Einheit erhöht sie die Satzanzahl auf vier und reduziert dafür die Wiederholungen auf schwere drei. In der dritten Einheit, dem Techniktraining, widmet sie sich ausschließlich der konzentrierten Arbeit am Bewegungsablauf und versucht diesen stetig zu optimieren. Dann kommen Bänder und das Hemd für drei Einzelwiederholungen zum Einsatz.
Dass Bankdrücken tatsächlich die anspruchsvollste der drei Wettkampfdisziplinen im Kraftdreikampf ist, wird deutlich, wenn man Gundas fünf Tipps für eine optimale Drückwegverkürzung befolgt:
1. Nimm eine starke Brücke ein
2. Das Gewicht ruht auf den Schultern
3. Breit greifen
4. Brustkorb mit Luft voll saugen bevor die Hantel runtergeht
5. Die Schulterblätter beim runter lassen zusammenziehen
Kniebeugen stehen ein bis zwei Mal auf dem wöchentlichen Plan, wobei sie auch hier eine leichte Trainingseinheit zu 3x8 Wiederholungen und eine schwerere mit drei Sätzen zu fünf Wiederholungen ausführt.
Je nach Tagesform hängt sie an einen der beiden Beugetage noch fünf Sätze schwere Kasten-Kniebeugen (Box Squats), leichte Frontkniebeugen oder Kniebeugen mit Pause in der Hocke an.
Kreuzheben trainiert sie nur einmal pro Woche oder alle 10 Tage mit zwei Arbeitssätzen zu acht Wiederholungen gefolgt von weiteren drei Sätzen mit drei schweren Wiederholungen.
Nach den Grundübungen schließt Gunda ihre Trainingseinheiten mit zwei bis drei Nebenübungen zu meist 3x10 Wiederholungen ab. Außerhalb der Wettkampfsaison macht sie an einem Tag in der Woche aus Abwechslung und zur Regeneration ausschließlich Nebenübungen ohne zuvor eine Kraftdreikampfdisziplin trainiert zu haben. Oft findet dann sogar eine technisch anspruchsvolle Gewichtheberübung Platz in ihrem Trainingsplan.
Ihr wöchentliches Pensum rundet sie mit 1-2 Einheiten Schnellkrafttraining ab, das die sie meist in Form von Volleyballtraining absolviert und als "Cardio-Einheiten kombiniert mit Motorikschulung und einer Menge Spaß" verbucht.
"Höre auf Dich selbst", rät Gunda Anfängern sowie mäßig fortgeschrittenen Athleten und empfiehlt weiter: "steigere die Gewichte nach bestem Gewissen und Tagesgefühl, nicht nach Plan."
Für außerordentlich wichtig hält Gunda das spezifische Training mit der Kraftdreikampfausrüstung. "Fakt ist, dass man mit dem Equipment trainieren muss, um damit sehr gut zurecht zu kommen. Man passt sein ganzes Training danach an und lässt sich immer wieder komische Übungen einfallen, die hauptsächlich den
Bewegungsablauf mit dem Equipment simulieren sollen. Irgendwann ist es wie in allen anderen Sportarten auch eine finanzielle Frage, ob man es sich leisten kann, alle paar Monate drei neue Shirts zu kaufen."
In ihrer Freizeit versucht die Inhaberin eines Kraftsportversandhandels (http://www.powersportz.de) Entspannung und Zerstreuung in ihrem musischen Talent zu finden. Sowohl ihre Bleistiftskizzen und Ölgemälde als auch ihre Photographien zeichnen sich durch ausdrucksstarke Motive aus und zeugen in jeder Hinsicht von Gundas beeindruckenden künstlerischen Fertigkeiten.
Bescheiden wie sie ist, würde Gunda wahrscheinlich ihr kreatives Talent etwas herunterspielen. Bescheiden ist sie auch hinsichtlich ihrer sportlichen Ziele. "In erster Linie möchte ich gesund bleiben", sagt sie und erzählt, dass sie viele Ziele hat, die sich nicht immer miteinander vereinen lassen. "Es gibt immer etwas an dem man an sich arbeiten kann. Man darf aber auch nicht vergessen, mit sich zufrieden zu sein, wenn man ein Ziel oder ein Zwischenziel erreicht hat." Meistens verfolgt sie mehr als ein einziges Ziel und richtet ihre Schwerpunkte je nachdem immer wieder neu aus. "Schön wäre es, wenn ich weiterhin Erfolg auf Wettkämpfen haben könnte", fügt sie noch hinzu. Ich denke, dem können wir uns sicher sein.
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Gundula Fiona von Bachhaus
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Jahrgang
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Verein
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1981
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FCL Rhein-Main Rüsselsheim
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Jahr
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Meisterschaft
|
GW
|
Kniebeuge
|
Bankdrücken
|
Kreuzheben
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Total
|
Platz
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1998
|
Deutsche Meisterschaft Jugend
|
54,9
|
95
|
-
|
-
|
-
|
-
|
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2002
|
Deutsche Meisterschaft Junioren
|
60,1
|
127,5
|
77,5
|
167,5
|
372,5
|
1
|
|
2003
|
Europameisterschaft Junioren
|
59,2
|
137,5
|
92,5
|
162,5
|
392,5
|
3
|
|
2003
|
Deutsche Meisterschaft Junioren
|
61,8
|
165
|
102,5
|
167,5
|
435
|
1
|
|
2003
|
Weltmeisterschaft Junioren
|
62,7
|
162,5
|
102,5
|
177,5
|
442,5
|
3
|
|
2004
|
Europameisterschaft Junioren
|
64,7
|
155
|
115
|
170
|
440
|
2
|
|
2004
|
Weltmeisterschaft Junioren
|
63,1
|
165
|
117,5
|
177,5
|
460
|
2
|
|
2004
|
Deutsche Meisterschaft Junioren
|
64,9
|
170
|
117,5
|
190
|
477,5
|
1
|
|
2005
|
Deutsche Meisterschaft
|
64,3
|
175
|
120
|
177,5
|
472,5
|
1
|
|
|
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