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Matt Aldridge - Keine Furcht zu träumen
von Andreas Hadel
Es gibt die klassischen Träume, die jeder kleine Junge einmal hat. In diesen Träumen ist man dann ein mutiger Feuerwehrmann, ein Astronaut, der neue Welten entdeckt oder ein erfolgreicher Sportler. "Ich habe geträumt wie jeder andere kleine Junge auch", sagt Matt Aldridge, der ohne Schienbeine zur Welt kam. "Ich träumte davon, wie sie die Nationalhymne spielen, wenn ich ganz oben auf dem Siegerpodest stehe." Ein Traum, für dessen Verwirklichung der 24 jährige seit über acht Jahren hart trainiert.
Als er 15 Monate alt war, wurden ihm seine Unterschenkel aufgrund der angeborenen Deformation amputiert. Doch seine Familie und seine behandelnden Ärzte ließen nie zu, dass der Matt seine Träume aufgibt. "Sie haben mich immer wieder dazu ermutigt, dass zu tun, was ich tun will." Der junge US-Amerikaner beherzigte die Ratschläge seiner Mitmenschen. Spezielle Prothesen, sein musikalisches Talent und sein großes Selbstbewusstsein machten ihn zum Tuba-Spieler der Marching Band seiner Schule.
Seit seiner Highschool-Zeit leidet Matt an einer avaskulären Osteonekrose, einer Durchblutungsstörung im gelenknahen Bereich, die zu einer Degeneration des betroffenen Knochen führt und für ihn das Tragen von Prothesen erschwert. Der Wunsch nach Unabhängigkeit trieb Matt immer weiter an, trotz gesundheitlicher Rückschläge nicht an seine Möglichkeiten zu zweifeln. Als seine Prothesen zunehmend Schmerzen verursachten, schmiss er sie kurzerhand weg und schaute niemals zurück.. Er lernte auf den Händen zu gehen und bewegte sich so auf den Gängen der Clover Highschool fort, trug seine Bücher und fragte niemals nach Hilfe. Heute nutzt er abwechselnd einen Rollstuhl oder Prothesen in Kombination mit einer Krücke um mobil sein zu können. Je nach dem, was er vor hat.
"Für Patienten wie Matt hat das Entdecken der eigenen körperlichen Möglichkeiten einen genauso wichtigen Stellenwert, wie die physische und medizinische Therapie", sagt Beverly Johnson, Direktorin der Rehabilitationsstation. "Dadurch erhalten sie mehr Selbstvertrauen und versuchen sich an Dinge, von denen sie nicht geglaubt hätten, dass es für sie möglich wäre."
"Die Leute von Shriners Hospital for Children in Greenville haben mir beigebracht niemals nein zu sagen. Ich mag das Sprichtwort: 'Niemand kann alles, aber jeder kann irgendwas.' "
In seinem ersten Jahr an der Clover High begann Matt mit Krafttraining. Damals riet ihm ein Arzt dazu, damit er in besserer Form kommen würde. Als Matt schließlich 1999 an der Schule graduierte konnte niemand mehr drücken als er. "Matt kann alles erreichen, was er will. Er ist ein wirklich bemerkenswerter Junge", sagte Carroll Hester, der Sportdirektor an Matts Schule und sein Trainer war.
Als Matt bei Wettkämpfen mitmachte, platzierte er sich immer auf den vorderen Rängen und übertraf dabei auch oft Gegner ohne körperliche Beeinträchtigung. Auf zehn nationale Rekorde und sieben nationale Juniorenmeistertitel kann Matt mit Stolz zurücksehen. Im letzten Jahr gewann er die Pan-Amerikanische Kontinentalmeisterschaft und qualifizierte sich für das sportliche Großereignis 2004, den paralympischen Spielen.
"Ich bin ein wenig nervös", sagte Matt im Vorfeld. "Wenn du acht Jahre in eine bestimmte Sache investiert und dann endlich deine Gelegenheit bekommst, dann ist das schon ein wenig überwältigend."
Die 150 Besucher, die Matt bei den Pan-Amerikanischen Meisterschaften zusahen, bildeten bis dahin das größte Publikum, dass er erleben konnte. Während der Eröffnungszeremonie der paralympischen Spiele jubelten 90000 Zuschauer den Athleten aller Nationen in wilder Begeisterung zu.
"Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ein Teil von dem zu sein, worauf all diese Leute ihre Aufmerksamkeit richteten...wow! Das war die unwirklichste Erfahrung, die ich jemals hatte", erinnert sich Matt und erzählt mehr von seiner Reise nach Griechenland. "Ich bin mit Freunden dann durch Athen spaziert und die Menschen haben uns wie Könige behandelt. Die Griechen lieben den Kraftsport wirklich sehr." Matt hat während seiner Reise Unmengen an Fotos geschossen und Notizen gemacht. "Ich möchte nichts von diesem einmaligen Erlebnis vergessen."
Athen wollte Matt als Sprungbrett für die nächsten paralympischen Spiele in Peking 2008 nutzen. "Ich würde wirklich durchdrehen, falls ich aus Griechenland mit einer Bronzemedaille nach Hause fahren könnte und wäre mehr als zufrieden, wenn ich einen Platz unter die Top 5 erreiche. Aber Athen soll für mich wirklich nur eine Zwischenstation sein, auf meinen Weg Weltmeister 2006 und Paralympiasieger 2008 zu werden. Ich möchte hier mindestens eine neue Bestleistung drücken", erklärt Matt am Tag vor seinem großen Auftritt.
Der Wettkampf, der nach IPF-Regeln bewertet wird, verlief für Matt jedoch nicht ganz nach Plan. Zwar schafft er seinen Einstiegsversuch von 190 kg, scheitert jedoch zweimal an 202,5 kg und belegt somit den neunten Rang.
Doch Matt sieht weiter nach vorn, so wie er es schon immer getan hat. "Ich weiß, dass ich mein Leben genauso weiterführen werde, wie ich es immer gemacht habe. Es war einfach ein riesiger Spaß, von solchen Ereignis wie den paralympischen Spielen eingefangen zu werden. Einfach unglaublich."
Als er nach Hause zurückkehrt, wartet bereits seine Arbeit auf ihn. Matt ist ein Manager Trainee in einer Wal-Mart-Filiale, wo er sein erworbenes Wissen von der Edinboro-Universität anwenden kann. Nach Feierabend geht er ins Gym, legt AC/DC oder Gun's Roses in seinen Diskman ein, legt die Kopfhörer an, schließt die Augen und taucht in eine Welt voller Eisen, Schweiß und Kraft ein, die ihn den Weg für sein großes Ziel ebnen wird: Peking 2008.
"Mein Leben hat mir gezeigt, dass man sich nie davor fürchten sollte zu träumen." - Matt Aldridge
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