Ausgabe 5/04 (Magazin-Nr. 25) - 3. Jahrgang
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Rupert Wick - Das Interview mit dem Weltmeister


von Andreas Hadel
Fotos: Rupert Wick

    Es gibt Menschen, die sammeln Bierdeckel, Briefmarken oder Modelautos. Schaut man auf die Wettkampf-Statistik von Rupert Wick, so bekommt man den Eindruck, dass er einen Faible für Rekorde und Meistertitel hat. Anderen würde soviel Erfolg vielleicht zum Kopf steigen, aber Rupert Wick ist ein "Weltmeister von nebenan". Bodenständig, überaus humorvoll und ein unbändiger Kampfeswille sind die Attribute, die man immer wieder hört, wenn man über ihn im Athletenkreis spricht.

    Rupert WickDeine Wettkampfstatistik weist lauter Siege auf. Wie hat das alles angefangen?
    Angefangen habe ich 1993 aus lauter eitelkeit. Ich war zu dick. Nach drei Monaten drückte ich 100kg bei einem Körpergewicht von 60kg. Lothar Pritzl vom KSC Frauenau hörte das und holte mich zum Verein. Bei meiner ersten Bayerischen 1993 wurde ich mit 107,5 kg Fünfter in der Klasse -67,5. Ich bin nämlich zu spät gekommen und mußte mich hochessen, naja. Bereits auf der Deutschen Meisterschaft konnte ich aber dann mit 110kg meinen ersten Meistertitel feiern.

    Du bist nach vielen erfolgreichen IPF-Starts zum WPC gewechselt. Wie fällt dein Urteil aus, wenn Du beide Verbände miteinander vergleichst?
    Gewechselt bin ich aus folgendem Grund: Als die IPF die Behinderten-Wertung international absetzte und ich nicht mehr starten konnte, dachte ich bereits an's aufhören. Bei den "Normalen" darf man nur mitmachen, wenn man ohne Hilfe zur Wettkampfbühne kommt (Rollstuhl ist Hilfe *ts ts ts*).

    Als ich dann ein Telefonat mit meinen alten Kumpel Markus Schick führte, wußte ich, es geht weiter. Er gab mir die Nummer von Andreas Mrosek, der mich sehr herzlich aufgenommen hat. In der IPF habe ich noch sehr viele Freunde. Auch einige Funktionäre, wie z.B. der von mir hochgeschätzte Joachim Litzau.

    Bei der WPC geht es meiner Meinung herzlicher ab. Hier zählt halt der Mensch. Man merkt halt, dass dieser Verband von Atlethen geführt wird. Seit ich jedoch den Verband gewechselt habe, werden mir jetzt von der IPF national viele Steine in den weg geschmissen, daher überlege ich, ob ich überhaupt nochmal in diesem Verband starte.

    Wie sieht dein Training aus?
    Ich trainiere 3x die Woche. Montags leichtes Bankdrücken und Schulter. Mittwoch enges Bankdrücken und lat. freitag schweres Bankdrücken und Bizeps.

    Wie hältst Du es mit der Ernährung?
    Ich esse was mir schmeckt. Am liebsten Schweinebraten und ein paar Knödel. Scheiße wird's vor den Wettkämpfen. Da reduziere ich einfach die feste Nahrung und trinke sehr viel Wasser. Wie gesehen, bin ich in dieser Hinsicht, kein gutes Beispiel (lacht). Naja, die meisten wissen ja, dass ich eine Vorliebe zu Jack Daniels habe.

    Wie beeinflußt deine Schulter-OP deine Trainingsgestaltung?
    Vom Doktor wurde mir bestätigt, dass alles gut verlaufen ist. Ich werde ab Oktober wieder mit kleinem Gewicht anfangen und hoffe dann, dass ich ab Januar wieder nach meinem drei Monatsplan arbeiten kann.

    Auf was sollten deiner Erfahrung nach Ausrichter achten, damit Athleten im Rollstuhl optimale Wettkampfbedingungen vorfinden?
    Eigentlich nur, dass man gut zur Bühne kommt. Aber es sind immer sehr viele hilfsbereite Hände da. Und Rollstuhlfahrer ist nicht gleich Rollstuhlfahrer.

    Was war bisher dein schönstes Erlebnis im Kraftsport?
    Als ich letztes Jahr mit 145kg in der -60kg - Klasse zum ersten mal Weltmeister wurde und Markus Schick mich dann fragte, ob ich zum trainieren hergekommen bin. Ich glaube, ich hätte an diesem Tag auch 155kg gedrückt.

    Auf welche Erfahrung hättest Du hingegen verzichten können?
    Fällt mir nicht ein. Bin aber überzeugt, dass es einige Leute gibt, die wettkampfmäßig auf eine Erfahrung mit mir verzichtet hätten... (lacht laut)

    Wie sehen deine nächsten Ziele aus?
    Nächstes Jahr meine Titel verteidigen und noch den einen oder anderen Rekord zu brechen, bevor ich bei den Masters bin (lacht)

    Was sollte aus deiner Sicht an der gegenwärtigen Situation im Kraftdreikampf geändert werden?
    Da fällt mir spontan nur was über's Bankdrücken ein. Ständige Diskussionen, ob der Arsch gehoben wird, oder ob sich die Beine rühren? Mancher Zuschauer versteht es halt nicht, wenn er sieht, wie der Teilnehmer die Last schafft, aber ungültig bekommt, weil der den Arsch gehoben hat. Meiner Meinung nach ganz einfach zu lösen: komplett auf der Bank liegen! Ansonsten finde ich, dass alles so paßt wie es ist.

    Welche Athleten beeindrucken dich wegen ihrer Leistung oder ihres Verhaltens?
    Markus Schick, Dirty Harry Selsam, Andreas Mrosek, Lothar Pritzl, Oliver Kutrov und mein Freund Ötzi. Nicht zu vergessen ein paar sehr nette Ösis. Diese Leute sind nicht nur wettkampfmäßig, sondern auch menschlich und charakterlisch sehr starke Typen.

    Möchtest Du zum Schluß noch etwas loswerden?
    Ich wünsche allen Athleten, ob WPC oder IPF viel Erfolg und lange Gesundheit.

    Das ist ein sehr weiser Wunsch. Auch Dir alles Gute für deinen weiteren Weg.
[ Allgemeine Hinweise ] | [ Literaturverzeichnis ]