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Der unaufhaltsame Sven Raskinvon Andreas Hadel Foto: Andreas Hadel
Es geschah Ende Januar 2003 während eines Bundesligawettkampfs bei dem ich als Gaststarter für den AC Heros Berlin antrat. Ich hatte schon ein halbes Jahr vorher Probleme mit einer Entzündung der Sehnenansätze in beiden Armen. Dank der Kompetenz meines Orthopäden kam ich aber gut durch die WM Vorbereitung und konnte im Dezember 2002 mit persönlicher Bestleistung von 240 kg und einem 6. Platz den Anschluss an die damalige Weltspitze halten. Danach gönnte ich mir zwei Wochen Pause und ging dann das Training locker an. Ich fühlte mich gut, hatte keine Schmerzen mehr und plante eine moderate Belastung. Trotzdem riss mir fünf Wochen später im zweiten Versuch mit "nur" 210 kg die Sehne aus dem Knochen. Was war Dein erster Gedanke als Du gemerkt hast, dass die Verletzung so schwer ist, dass an Wettkämpfen in nächster Zeit nicht zu denken wäre? An erster Stelle steht primär die Gesundheit, so dass ich eine Rückkehr in den Wettkampfsport von einer vollständigen Genesung abhängig machte. Da ich eh geplant hatte, kleinere Verletzungen auszukurieren, kam ich nicht unter Druck. Wie wurde der Abriss dann behandelt und wie sah Dein unmittelbares Reha-Training aus? Eine OP war unumgänglich. Die Trizepssehne wurde wieder am Knochen befestigt und mit einer Drahtschlinge fixiert. Die Reha begann unmittelbar nach dem Eingriff noch im Krankenhaus. Dazu wurde die Gipsschale täglich entfernt um die Beweglichkeit des Ellenbogengelenks zu erhalten. Für die anschließende Behandlung fuhr ich alle zwei Tage in die Sport-Reha Berlin wo es mittels manueller Therapie, Schwellströmen und Krankengymnastik langsam wieder aufwärts ging. Ich hatte das Glück einen sehr guten Therapeuten zu haben der sich größte Mühe gab mir zu helfen. Schließlich hast Du 2004 ein glanzvolles Comeback geschafft. Bitte schildere uns, wie das letzte Jahr aus deiner Sicht verlaufen ist. Am Anfang des Jahres musste ich zuerst noch eine OP über mich ergehen lassen bei der die Drahtschlinge entfernt wurde. Nach drei Wochen Reha bin ich in den Wintersport gefahren um im März dann wieder gut konditioniert mit dem ernsthaften Krafttraining anzufangen. Ich bin ein Freund von Trainingsperiodisierung. Also teilte ich mir die Wettkampfvorbereitung in drei Zyklen ein. Nach der Entwicklung meiner Kraftausdauer begann ich mit dem eigentlichen Muskelaufbautraining an dessen Ende ich meinen ersten Wettkampf plante. Mann, das war vielleicht ein Kick! Im Training beschäftigt man sich ständig mir seiner Verletzung. Nun kam es darauf an ob ich im Wettkampf den Kopf frei bekomme. Ich startete im Sommer in Ückermünde ohne Ausrüstung und mit festgelegten Gewichtssteigerungen. Es ging nur darum 100% kontrollierte Aggressivität zu erreichen und es funktionierte besser als je zuvor. Dann begann das unmittelbare Wettkampftraining mit dem Ziel zur Deutschen Meisterschaft den Höhepunkt zu erreichen. Im Vorfeld der Berliner Meisterschaft testete ich erstmals das neue Fury und kam sofort damit klar. Die Performance der neuen Generation von Bankdrückhemden war sofort zu erkennen, denn von meiner Trainingsleistung zeigten die Vergleiche zu früheren Wettkampfvorbereitungen noch erhebliche Unterschiede. Über die Deutsche Meisterschaft hast du ja schon ausführlich berichtet. Dazu kann ich nur noch sagen das es mir in erster Linie um die internationale Qualifikation für das nächste Jahr ging. Es war auf jeden Fall ein wichtiger Wettkampf mit starken Gegnern. Viele Athleten, die in eine ähnliche Situation geraten, haben oft Probleme den richtigen Arzt zu finden oder sich vollkommen von ihrer Verletzung zu erholen. Kannst Du in dieser Hinsicht besondere Ratschläge geben? Jeder Sportler sollte sich an erster Stelle auf sein Körpergefühl verlassen. Mir war sofort klar das etwas gerissen ist. Wenn ich mich mit der Diagnose in der Unfallambulanz zufrieden gegeben hätte, könnte ich meine sportliche Karriere beenden. Aus meinen Beobachtungen weiß ich, dass erfahrene Kraftsportler und Bodybuilder durch die Art ihres Trainings ein unglaublich ausgeprägtes Körpergefühl besitzen. Darauf sollte man sich verlassen. Den richtigen Arzt zu finden ist schon eine andere Sache. Am besten ist es, wenn dieser selbst Sport treibt und Verständnis für den Leistungswillen aufbringt. Warum also nicht den Verbandsarzt konsultieren? Ich habe dort auch schon nützliche Ratschlage erhalten. Du stehst nun vor einer aussichtsreichen Karriere in der AK1. Schauen wir einmal zu Deinen Kraftsportanfängen zurück. Stimmt es, dass Du über das Bodybuilding zum Bankdrücken gekommen bist? Oh je, meine Bodybuilding Zeit! Da habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge. Das Training selbst ist ja heute noch Bestandteil meiner Workouts. Die Diat bleibt mir zum Glück erspart. Ich bin nie an einer Dose Nutella vorbei gekommen und staune noch heute über die Jungs, die das durchhalten. Da war der Übergang zum Kraftsport für mich ein Glück. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht auf meine Ernährung achte. Wann war Dein erster Wettkampf und wie hast Du anfänglich trainiert? Ich glaube das war 1995 beim Großen Preis von Berlin in der 90kg Klasse. Ich habe gemerkt das ich beim Training immer ein bisschen mehr geschafft habe als die anderen und bin dann einfach mal gestartet. Danach bin ich Mitglied im Takezo e.V. geworden und hab mir Tipps bei den Brüdern Friedrich und meinem damaligen Vereinskameraden Gero Hansl geholt. Dann ist die ganze Sache im Laufe der Zeit gewachsen. Das Trainingsprinzip war eigentlich das gleiche wie heute, nur mit persönliche Erfahrungen spezifiziert. Du hast Dich schließlich auch im KDK versucht bist Berliner Meister geworden. Warum hast Du den KDK nicht weiter verfolgt? Der Kraftdreikampf macht mir auch heute noch Spaß. Das Training wirkt sich aber auf die Leistung im Bankdrücken kontraproduktiv aus und ich sehe meine Stärke eben in dieser Einzeldisziplin. Ich glaube, Du hattest 2000 deinen ersten internationalen Start. Was war das für ein Gefühl zum Kader zugehören und für Deutschland zu starten? Das war sogar schon 1998 zur EM in Trencín und ich empfand das als eine große Ehre. Wie hat sich Dein Training über die Jahre verändert? Ich plane mein Training auch heute noch in Zyklen mit max. 2 Leistungsspitzen pro Jahr ein. Dazu gehören Aufbauwettkämpfe zur Leistungsüberprüfung. Mit den Jahren habe ich ein gutes Gefühl für meine Regenerationsfähigkeit entwickelt und das resultiert oft in längeren Erholungsphasen. Was waren bisher für Dich die Höhepunkte in deiner Kraftsportkarriere? Das erste mal 200kg zu drücken, Landesmeister zu werden, die Siege bei den Deutschen Meisterschaften genauso wie meine internationalen Starts. Jedes Ereignis war ein einmaliger Höhepunkt, den ich nie missen möchte. Welche Tipps kannst Du Anfängern und fortgeschrittenen Athleten geben? Jeder Sportler braucht Ziele. Die zu verwirklichen ist der Reiz aller Mühen. Man sollte sich immer an seinen persönlichen Fortschritten messen und Geduld haben. Protokolliert eure Trainingsleistungen und zieht Schlussfolgerungen aus eurer Entwicklung! Zum stärker werden gehört auf jeden Fall ein gewisses Maß an Intelligenz. Welchen Stellenwert nimmt bei Dir die Ernährung ein? Das macht bestimmt 50% des Erfolges aus. Wie sonst sollte die Muskulatur wachsen? Das Training schafft die Voraussetzungen und in der Regenerationsphase braucht der Körper die Bausteine zum Wachstum. Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip. Man muss nicht asketisch leben und kann sich auch mal Junkfood gönnen, sollte aber an mind. 6 Tagen in der Woche auf eine ausreichende Zufuhr an den benötigten Nährstoffen achten. Leider gibt es dafür kein Schema das auf alle Typen passt. Man muss also experimentieren. In meinem Ernährungsplan hat sich z.B. in den letzten Jahren eine kohlenhydratreiche Ernährung mit einem sinkenden Eiweißbedarf bewährt. Wer unterstützt Dich bei deinen sportlichen Ambitionen? An erster Stelle steht hier sicher meine Frau, die weiß, dass es mir besser geht, wenn ich trainieren kann. Dann sind da auch meine Trainingspartner von denen ich wegen meines unregelmäßigen Dienstes eine ganze Menge habe. Was hast Du dir für 2005 vorgenommen? Mein größter Wunsch aus sportlicher Sicht ist endlich eine internationale Medaille zu gewinnen. Wenn ich verletzungsfrei durch die Wettkampfvorbereitung komme, hoffe ich auf eine persönliche Bestleistung auf der Masters WM im April. Da könnte mein Traum Weltmeister zu werden dann vielleicht in Erfüllung gehen. Vielen Dank, dass Du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast und gutes Gelingen für deine weiteren Ziele. v.r.: Ron Johne, Swen Engel, Sven Raskin, Nikolay Esipov, Hendrik Schulz. |