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Markus Schick, FCL Rüsselsheim
von Thomas Klose
(Erstmals erschienen in Powersport Heft 71, März- April 1996)
T.K.: Wann und wo bist Du geboren?
M.S.: Ich bin Steinbock, geboren am 20.Januar 1976 in Rüsselsheim.
T.K.: Erzähle uns etwas über Deine Kindheit.
M.S.: Nach der Grundschule bin ich zur Realschule gegangen. Ich habe immer
gerne Fußball gespielt hatte aber durch meine Größe immer Schwierigkeiten in
das richtige Team zu kommen. Im normalen Schulsport gab es aber keine
Probleme und auch Tischtennis hat mir Spaß gemacht. Nach der
Fachoberschulreife habe ich eine Ausbildung zum Bankkaufmann begonnen, die
ich nach 2,5 Jahren erfolgreich abschloß. Heute arbeite in einer
Rüsselsheimer Sparkasse.
T.K: Wann hast Du zum erstenmal eine Hantel angefaßt?
M.S.: Im Oktober 1991.
T.K.: Aus welchem Grund?
M.S.: Ich wollte mir zuerst ein Rudergerät oder etwas ähnliches für zu
Hause kaufen. Ein Freund von mir fragte mich aber, ob ich keine Lust hätte in
einem Fitnesscenter zu trainieren, da dort bessere Geräte und auch Trainer
zur Verfügung stehen. Nach kurzer Überlegung stimmte ich zu. Als ich mich
dann beim Studiobesitzer vorstellte, fragte der mich sofort," hast Du schon
mal Bankdrücken gemacht ?" Du kannst dir denken, welche Übung danach angesagt
war. In meinem ersten Training schaffte ich 5 Wiederholungen mit 60kg.
T.K: Das ist ein verdammt guter Anfang. Du hattest auch das Glück, direkt an
jemanden zu geraten, der etwas über Powerlifting wußte.
M.S.: Ja, der Studiobesitzer war kein geringerer als Udo Krüger, Deutscher
Meister und Rekordhalter, Weltmeister-schaftsteilnehmer und für mich
Deutschland's bester Bankdrücker mit 220 kg in der 90kg-Klasse, damals noch
ohne Bench Shirt. Udo war auch Mitorganisator der 1. Weltmeisterschaft im
Bankdrücken 1991 hier in Rüsselsheim. Udo und sein Bruder Heiko sind auch
heute noch meine Trainer. Ihnen verdanke ich eine ganze Menge.
T.K: Ich kann mir vorstellen, daß Du Dich sehr schnell verbessert hast.
Wann hattest Du Deinen ersten Wettkampf?
M.S.: 2 Monate später bei einem Wettkampf in unserem Studio. Ich schaffte
77,5kg in der 52kg-Klasse.
T.K: Dein erster offizieller Start?
M.S.: Im März 92. Bei den Bezirksmeisterschaften gelangen mir 90kg, ein
Deutscher Jugendrekord bis 52kg. Bei den Hessenmeisterschaften einige Monate
später, verbesserte ich mich in der gleichen Klasse auf 107,5kg.
T.K.: Dein erster nationaler Sieg?
M.S.: Im Sommer 1993. Ich steigerte mich bei den Deutschen Jugend und
Junioren Meisterschaften in Weimar auf 127,5kg bis 52kg. Das war gleichzeitig
auch mein erster Deutscher Aktiven Rekord. Joachim Lietzau, Bankdrückreferent
im BVDG, nominierte mich daraufhin für das Bankdrückkader und im Dezember 93
trat ich dann bei der IPF WM in Ungarn an.
Zu meiner Überraschung holte ich mir mit 147,5kg den Titel. Ich war total
happy, da ich nicht im entferntesten damit gerechnet hatte.
T.K.: Eine unglaubliche Steigerung. Wie hast Du das gemacht?
M.S.: Ich hob zum erstenmal mit einem Benchshirt. Das war der Grund.
T.K.: Warum bist Du nicht bei den Deutschen Aktiven Meisterschaften
angetreten?
M.S.: Ich war mit 17 Jahren zu jung. Damals gab es noch die Regel, daß man
mindestens 18 Jahre alt sein muß. So wurde ich zwar Weltmeister, durfte bei
den Deutschen aber nicht mitmachen.
T.K: Ich glaube, dieser Passus ist inzwischen geändert worden. Welche
Titel hast Du geholt und wie hoch liegen Deine Bestleistungen?
M.S.: Weltmeister im Bankdrücken 93 und 94.Silbermedaillengewinner 1994.
Deutscher Meister 94 und 95, zweimal
Deutscher Juniorenmeister. Meine Bestleistungen: 52kg : 145kg 56kg :
165kg 60kg : 182,5kg 67,5kg : 210kg.
T.K.: Du hältst also Rekorde in 4 aufeinanderfolgenden Gewichtsklassen, ein
Rekord für sich selbst.Wie sieht es mit den anderen Wettkampfübungen aus?
M.S.: Mit relativ wenig Aufwand habe ich 160kg gebeugt und 115kg im
Kreuzheben gezogen,der Schwachpunkt aller Kleinwüchsigen.
T.K.: In einigen Kreisen ,höre ich immer wieder, daß ihr ausgeschlossen
werden solltet. Deine Meinung?
M.S.: Das ist ein schlechter Witz. Ich habe noch nie gehört , daß jemand
sagt, verbannt die Basketballriesen, weil die zu groß sind. Wir haben so
viele Nachteile im Leben und jetzt gibt es einmal eine Sportart wo wir
Topleistungen bringen und das ist dann auch wieder nicht in Ordnung.
Lächerlich!
T.K.: Ich glaube ,Du hast vollkommen recht. Markus, was war Dein schönster
Moment?
M.S.: Mein erster WM Titel in Budapest.
T.K.: Der schlimmste Augenblick?
M.S.: Die Weltmeisterschaft in Ostrava, wo ich Zweiter wurde. Ich schaffte
dort nur meinen Anfangsversuch mit l65 kg. Im 2.Durchgang war die Hantel
falsch beladen und im 3. gaben mir die Kampfrichter zu viele rote Lampen. Das
öffnete dem Russen Bogdanov die Tür. Er siegte mit 167,5kg.
T.K.: Wie trainierst Du?
M.S.: 4 mal pro Woche. Schweres Bankdrücken am Montag und Donnerstag sowie
folgende Zusatzübungen:
Schrägbank, Fliegende Bewegung, enges Bankdrücken und Trizepsdrücken.
Außerhalb der Saison: 2-4 Sätze, 6-8Wiederholungen. Am Dienstag und Freitag
trainiere ich die Schultern mit:
Nackendrücken oder Frontdrücken, Seitheben, 2-4 Sätze a 8-10
Wiederholungen. Beine: Kniebeugen oder Beinpresse, 2-4 Sätze a 10
Wiederholungen. 4-5 Wochen vor einem Wettkampf reduziere ich die
Wiederholungen im Bankdrücken. Schwere 3er und Einzelwiederholungen stehen
dann an. Das Bankdrückhemd ziehe ich nur ein- oder zweimal vorher an. Ich
verwende keine bestimmten Prozente, sondern gehe immer nur nach meinem
Gefühl. Bei den Nebenübungen verwende ich nur mittelschwere Gewichte, z.B.:
Schrägbankdrücken 100-110kg, Nackendrücken: 70kg.
T.K.: Emährung ?
M.S.: Ich versuche kohlenhydrat und eiweißreich zu essen. Ich mache mir
regelmäßig einen Proteindrink und nehme einen Vitamin/Mineralkomplex. Kurz
vor einem Wettkampf kommt noch Creatin hinzu.
T.K.: Erzähle uns etwas über den Bankdrückwettkampf bei den Arnold Classics
1996.
M.S.: lch bin nur mitgeflogen um Frank Pfraumer zu betreuen. Da ich mich
aber auf einen Wettkampf vorbereitete, fragte ich Tom Waddle, unseren
Gastgeber, ob ich in Columbus trainieren könne. Tom ging zu Louie Simmons,
dem Veranstalter des Bankdrückturniers und irgendwie durfte ich dann
mitmachen. Die Veranstaltung war super, mir persönlich hat sie sogar besser
gefallen, als die FIBO in Essen. Es war eine Ehre neben diesen Athleten zu
heben , die ich nur von den Magazinen kannte. In dieser Atmosphäre drückte
ich mit 210kg, bei 64kg Körpergewicht eine neue Bestleistung.
T.K.: Riesenleistung. Du bist der einzige Deutsche, der das Dreifache seines
Körpergewichts schafft. Was hältst Du von den Amerikanern?
M.S.: Ich habe Anthony Clark gesehen. Er ist die Nummer 1, da gibt es nicht
den geringsten Zweifel. Die Scheiben in Columbus wurden gewogen und alles war
legal.
T.K.: Wie sehen Deine Zukunftspläne aus.
M.S.: Sportlich habe ich mir vorgenommen, in der 60kg - Klasse 200kg zu
drücken und bis 67,5kg 227,5kg, das sind etwas mehr als 500 US-Pfund
.Beruflich möchte ich mich 97 zum Sparkassen - Fachwirt weiterbilden.
T.K.: Markus, vielen Dank für das Interview und alle Gute für Deine Zukunft.
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