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Andreas Mrosek - Das Interview

von Andreas Hadel
PowerTraining : Wie bist Du zum Kraftsport gekommen ?
Andreas Mrosek : Durch meine ständige Büroarbeit seit 1993 wurde ich irgendwie unzufrieden. Zuvor fuhr ich als Nautischer Offizier zur See und hatte genug Bewegung. Der Zufall wollte es, daß genau neben meinem damaligen Firmensitz 1997 ein Fitneßstudio öffnete. Diese Gelegenheit nutzte ich dann und begann mit dem Training. Allerdings nicht wettkampforientiert, sondern als Freizeitsportler. Im selben Jahr gab es auch die 2. Dessauer Stadtmeisterschaft im Bankdrücken, an der ich dann auch teilnahm - mehr aus Neugierde. Ich drückte damals in der 110kg- Klasse 160 kg und wurde Stadtmeister. Motiviert bereitete ich mich dann auf die gleiche Meisterschaft 1998 vor, dort drückte ich bereits 190 kg. Zu dieser Meisterschaft war Michael Herfort, ein Athlet (KDK) der IPF, als Kampfrichter zugegen und sprach mich an, ob ich nicht an den deutschen Meisterschaften teilnehmen möchte. Ich sagte zu und mein Weg begann.
PT : Warum hast Du gezielt mit dem Bankdrücken begonnen ?
A.M. : Die Stadtmeisterschaften in Dessau wurden und werden ausschließlich im Bankdrücken durchgeführt, also trainierte ich keinen KDK. Später versuchte ich es dann auch mit dem KDK, mußte aber feststellen, daß die Zeit zu knapp war und ist, um mich auch hier intensiv vorzubereiten. Deshalb beließ ich es beim Bankdrücken. Das heißt aber nicht, daß ich auf die Übungen des KDK völlig verzichte.
PT : Was war das für ein Gefühl, als Du zum ersten Mal Weltmeister geworden bist ?
A.M. : Es war der 13.11.2000 in Las Vegas. Meine Frau hatte an diesem Tag Geburtstag. Als ich mit Ihr telefonierte und meinen Erfolg mitteilte, standen uns die Tränen in den Augen. Es war ein Gefühl des Glücks. Man kann es nicht beschreiben.
PT : Viele Athleten halten den KDK oder das Bankdrücken für eine Lebenseinstellung. Siehst Du das ähnlich ?
A.M. : Teilweise ja. Aber Sport ist nicht das einzige, was zu einer vernünftigen Lebenseinstellung führt. Eine gute und glückliche Familie ist für mich der absolute Background für ein Vorwärtskommen im Beruf als auch im Sport.
PT : Du bist nicht nur Athlet beim WPC, welche Funktion übst Du noch innerhalb des Verbands aus ?
A.M. : Ich habe zur Zeit einge Aufgaben (nicht alle) der Organisation übernommen. Deshalb arbeite ich ehrenamtlich im Vorstand des WPC.
PT : Dein Heimatverein und Du richten die diesjährige Deutsche Meisterschaft des WPC's aus. Was dürfen die Ahleten erwarten ?
A.M. : Der AC Köthen, dessen Präsident ich bin, hat keine Mühe gescheut, eine ordentliche DM vorzubereiten. Diese war auch sehr kostenintensiv. An dieser Stelle danke ich allen Sponsoren. Die Athleten werden eine sehr gute Meisterschaft erleben und feiern.
PT : Bei der Meisterschaft soll auch das Fernsehen vor Ort sein, welche Sender werden es sein ?
A.M. : Unterschrieben habe ich einen Vertrag mit dem Filmproduzenten des DSF-Kanals. Weitere Verhandlungen laufen mit dem MDR/ ARD. Das Dessauer Stadtfernsehen wird auch zugegen sein.
PT : Plant der WPC-Germany noch weitere Medienarbeit ?
A.M. : Ja ! Ohne diese wird unser Sport weiterhin ein Schattendasein führen. Hier geht mein Apell an alle Athleten aller Verbände. Nicht das gegenseitige Denunzieren und öffentliche Kritisieren bringt unseren Sport weiter, sondern nur eine gegenseitige Anerkennung und Achtung, die sich dann auch in der Medienpräsenz wiederfinden sollte.
PT : Nimmst Du trotz Deiner Funktion als Mitausrichter an der DM teil ?
A.M. : Ja ! Ich werde in der 110er Klasse starten.
PT : Wie siehst Du deine persönliche Zukunft im Kraftsport ?
A.M. : Vielleicht wird es mein letztes Wettkampfjahr sein. Es wird immer schwieriger, meine beruflichen Auslandstermine mit den ordentlichen Wettkampfvorbereitungen zu vereinbaren. Allerdings werde ich weiter trainieren, egal ob mit oder ohne Wettkampfteilnahmen.
PT : Was sollte man am Kraftdreikampf und am Bankdrücken in Deutschland verbessern ?
A.M. : Videoaufzeichnungen führen und strittige Entscheidungen durch einen Oberkampfrichter entscheiden lassen. Nur wer selbst Athlet gewesen ist weiß, in welcher Lage sich ein Wettkämpfer bei der Durchführung seines Versuches befindet. Ansonsten sollte der Monolift als verbindliches Gestell für die Kniebeuge eingeführt werden.
PT : Im Boxen sind sogenannte Vereinigungswettkämpfe unter den verschiedenen Verbänden mittlerweile üblich geworden. Würde auch der WPC-Germany gemeinsam mit dem BVDK einen Wettkampf ausrichten ?
A.M. : Ja ! Unsere Athleten haben nichts dagegen. Ich befürworte sogar einen solchen Vergleichswettkampf. Am WPC wird es also nicht liegen.
PT : Hast Du sportliche Vorbilder ?
A.M. : Ja ! Um nur einige zu nennen: Michael Brügger, Franz Mares, Harald Selsam, Markus Schick - aber auch mein älterer Bruder Reinhard Mrosek. Er war vor langer Zeit ein erfolgreicher DDR-Gewichtheber (60iger Jahre) und beeinflußte meine sportliche Laufbahn erheblich, und zwar zu einer Zeit, als ich noch aktiver Ringer war. Weiterhin möchte ich Joachim Lietzau benennen, er ist aktiver Athlet und Funktionär der IPF und zeichnete sich stets durch sportliche Fairness mir gegenüber aus. Auch dieses Verhalten ist vorbildlich.
PT : Du bist nicht nur erfolgreicher Sportler, Du leitest auch eine Firma und bist Familienvater. Wie bringst Du all' das unter einen Hut ?
A.M. : Meine Familie ist mein Rückrat. Ohne diese würde ich vieles nicht erreichen. In stressigen Situationen gehe ich in die Natur und male Ölgemälde. Alle bei mir im Haus hängenden Bilder sind Unikate von mir.
PT : Möchtest Du gerne abschließend noch etwas loswerden ?
A.M. : Ich wünsche mir ein faires Umgehen aller Athleten untereinander. Beschimpfungen bringen uns alle nicht weiter. Achtet bitte jeden sportlichen Erfolg, egal ob es ein Sieg bei einer Weltmeisterschaft oder einer Stadtmeisterschaft ist. Es ziemt sich nicht für einen Sportler, überheblich gegenüber anderen zu sein. Das gilt selbstverständlich auch für andere Sportarten.
PT : Vielen Dank für das Interview. Ich bin mir sicher, dass Du für viele Athleten, ob Alt oder Jung, ein inspirierendes Vorbild bist. Sei Dir und Deiner Familie alles Gute für die Zukunft gewünscht.


Ausgabe 3/02

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