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Heiko Kißheuer im Interviewvon Andreas Hadel Foto: World Games 2005 GmbH
Ich hatte schon immer den Drang in mir, groß und stark zu werden. Im Alter von zehn Jahren habe meine erste Kurzhantel bekommen und auch mit dem Deuserband meines Vaters trainiert. Sportlich habe ich mit neun mit Judo angefangen und auch hier schon eine gute Grundlage für den Kraftsport gelegt. Das erste Mal Bankdrücken habe ich gemacht, als ich im Alter von 13 Jahren mit einem Freund in den Kraftraum der Leichtathleten ging. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich 30 KG nicht geschafft habe! Als ich dann mit 15 mit Taekwondo und Kick-Boxen anfing, trainierte ich bei einem Verein, der auch ein Fitness-Studio hatte, das ich mitbenutzen konnte. Da ich mich beim Krafttraining ziemlich schnell verbesserte und alle hinter mir ließ, war ich dann irgendwann nur noch im Kraftraum und habe den Kampfsport an den Nagel gehangen… Ich habe zunächst wie ein Bodybuilder trainiert, wobei ich mich immer auf´s Brusttraining und natürlich Bankdrücken gefreut habe. Nach zwei Jahren konnte ich das erste Mal die 100 KG drücken. Mit 19, nach meinem Abitur, habe ich die 140 KG geschafft. Mit 21 hatte ich ein weiteres langfristiges Ziel erreicht: Die 180 KG! IM Alter von 23 habe ich aus Spaß mal an einem Strongman-Wettkampf teilgenommen, den ich insgesamt gewann und im Bankdrücken 200 KG schaffte. Fast sogar noch die 210. Natürlich alles ohne Bankdrück-Shirt aber mit einem Körpergewicht von mittlerweile 106 KG. Wer hat Dir zu Beginn im KDK geholfen und wie hast Du trainiert? Als ich dann beruflich in Bochum landete und dort auch mein Abendstudium zum Betriebswirt absolvierte, kam ich in Kontakt mit dem "Excalibur e.V.". Hier konnte man noch Hardcore-Training machen, ohne Schicki-Micki, und der Vereinsvorsitzende Karsten Pfützenreuter hat mich das erste Mal in ein Bankdrück-Shirt gezwängt. Von da an bin ich im Einzel-Bankdrücken für den Verein gestartet und auch mit unserer Mannschaft hatten wir viel Erfolg… Trainiert habe ich damals immer noch wie ein Bodybuilder. Alle Muskelgruppen aufgeteilt auf meistens 4-5 Trainingstage in der Woche. Bankdrücken habe ich nach wie vor nur einmal in der Woche gemacht! Die anderen KDK-Übugen habe ich auch trainiert und war auch nicht schlecht: Meine Bestleistung bei den Kniebeugen und Kreuzheben war jeweils 270 KG, alles ohne Equipment, außer Bandagen und Zughilfen. Da ich mich allerdings Mal beim Kreuzheben verletzt hatte, habe ich beschlossen nur noch Bankdrücken als KDK-Übung richtig schwer zu trainieren und auf Bankdrück- Wettkämpfe zu gehen! Wie lauten deine Trainingsmaximen heute? Nachdem ich einige Jahre Erfolg bei Bezirks- und Landesmeisterschaften hatte merkte ich, dass ich mich fast gar nicht mehr verbesserte. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, meine Leistungen zu verbessern, bin ich durch Dr. Hermann Korte auf das Training bei Westside-Barbell gestoßen. Ich war von Anfang an fasziniert von den Trainingsmethoden. Von da an trainiere ich nur noch zweimal die Woche. Dienstag mache ich meinen Schnellkraft- Tag und Samstag meinen Maximalkraft-Tag. Die Prinzipien sind ja bekannt bzw. nachzulesen. Desweiteren hab ich dieses Jahr auch mit dem 3x3 Programm von Korte trainiert. Ich habe es mir nur fürs Bankdrücken ausgerichtet und auch Board-Press und Bankdrücken mit Ketten oder Bändern mit integriert. Teilweise habe ich auch zwischen den Sätzen noch Schnellkraft mit dem Deuserband integriert, ähnlich dem Prinzip der russischen Komplexsätze. Das hat auch sehr gut funktioniert. Ich denke ich werde im Wesentlichen beim Westside-Training bleiben und vielleicht ein bis zweimal im Jahr das 3x3 zur Abwechslung. Ferner bin ich ein Fan von Nebenübungen, die in Ihrer Ausführung mehrere Muskelgruppen nacheinander einbeziehen und so die wichtigen Übergänge von z.B. Schulter und Trizeps verbessern. Meiner Meinung nutzt es wenig einfach nur im Trizeps und/oder der Schulter stark zu sein. Auch die Kraftübertragung und das Zusammenspiel der beteiligten Muskelgruppen beim Bankdrücken muss stimmen. Hierzu habe ich mit meinem Trainingspartner einige Übungen entwickelt, die mir sehr viel gebracht habe. Auch das gezielte Training der Rotatorenmanschette hat mir dabei geholfen und mich vor Trainingsverletzungen bewahrt. Neben dem Krafttraining mache ich noch mindestens dreimal pro Woche Ausdauertraining zwischen 45-60 Minuten. Meistens auf meinem Crosstrainer. Welche Lektion(en) hast Du im Laufe deiner KDK-Karriere gelernt? Ich glaube das wichtigste in unserem Sport ist Geduld. Wenn man meint, man müsste in einem halben Jahr 50 Kg mehr drücken und wie ein Wahnsinniger trainieren, wird man wahrscheinlich nur Verletzungen ernten. Sinnvoller ist es natürlich, sich realistische Ziele (oder Teilziele) zu setzen und diese nach und nach zu erreichen. Natürlich ist ein intensives Training die Grundlage. Hierbei, finde ich, ist Variation der Übungen und Trainingsmethoden der Schlüssel zum Erfolg. Sobald der Körper sich an ein bestimmtes Training gewöhnt hat, findet einfach weniger Muskelwachstum bzw. Kraftzuwachs statt. Deshalb fand ich den Plan nach Westside auch auf Anhieb logisch. Nach dem "Conjugate Training" wechselt man alle 2-3 Wochen die Übung und hält den Körper somit in einem Zustand, in dem er nicht adaptieren kann. Eine weitere Lektion, die ich gelernt habe ist: Höre auf Deinen Körper! Man kann sich natürlich darüber informieren, was andere machen oder was es für Trainingspläne gibt, aber im Endeffekt ist jeder Körper anders und reagiert auf das Training unterschiedlich. Meiner Meinung muss man ständig für neue Trainingsmethoden offen sein, sie ausprobieren und dann selbst entscheiden, ob man damit weiterkommt oder nicht! Es gibt hier kein richtig oder falsch, man muss seinen eigenen individuellen Weg aus den vielen Möglichkeiten finden! In Berlin hast Du dir einen äußerst spannenden Kampf mit Mathias Schröder geliefert, der schließlich von der Waage entschieden wurde. Wie verlief die DM aus Deiner Perspektive? Bist Du mit deinem zweiten Platz zufrieden? Mit der DM bin ich sehr zufrieden. Ist natürlich irgendwie schon ärgerlich, dass Mathias mit demselben gedrückten Gewicht den Titel geholt hat, aber meiner Meinung nach war er, mal abgesehen von dem geringeren Körpergewicht, auch so der stärkere. Das hat man deutlich bei unserem Rekordversuch mit 268 KG gesehen. Mathias fehlten eigentlich nur wenige Zentimeter und bei mir kam da fast gar nichts mehr… Daher geht sein Sieg für mich völlig in Ordnung! Ich hatte mit meinen 262,5 KG eigentlich nicht wirklich gerechnet. Ich hatte im Training maximal 252,5 KG gedrückt und wusste, dass da noch mehr geht, aber soviel mehr hätte ich nicht gedacht. Aber da Mathias mit 260 KG im zweiten Versuch gut vorgelegt hatte und ich meinen zweiten Platz sicher glaubte, hatte ich fast keine andere Wahl, als dieses Gewicht aufzulegen. Um so zufriedener bin ich natürlich mit meiner Leistung. Drei Wochen später habe ich beim Ruhrpokal zwar noch die 265 KG geschafft, aber bei der DM war das einfach das absolute Maximum, was drin war! Ich freue mich sehr, dass ich mit meiner Leistung nun in den Nationalkader komme und auch international mitmischen darf! Wie lautet Dein Urteil zur Ausrichtung der DM? Mit der Ausrichtung der DM war ich sehr zufrieden. Der Wettkampf lief planmäßig zügig ab und auch die Leistungen der Scheibenstecker und der Kampfrichter fand ich vorbildlich! Die einzigen Kritikpunkte von mir sind die Größe der Halle und der Aufwärmbereich. Die Halle hätte für den Anlass etwas größer sein können. Ich fand es nicht besonders optimal, dass sich jeder in die Nähe der Wettkampfbank gedrängt hat und man sich als Athlet noch den Weg zur Bank bahnen musste. Den Aufwärmbereich fand ich ebenfalls zu klein. Drei Bänke waren natürlich optimal, aber die dadurchentstandene Enge war schon gefährlich. Es hat mich gewundert, dass da nichts passiert ist… Die Größenordnung von der Halle letztes Jahr in Giessen war schon optimal, wobei natürlich durch die Nähe zum Geschehen die Stimmung in Berlin nicht zu überbieten war. Das war so ziemlich der spannendste Wettkampf, den ich erlebt habe! Achtest Du eigentlich besonders auf deine Ernährung? Eigentlich nicht. Ich versuche schon darauf zu achten, mich ausgewogen und relativ fettarm zu ernähren, aber im Prinzip esse ich worauf ich Lust habe und versuche überschüssige Kalorien durch mein Ausdauertraining auszugleichen. Einmal in der Woche gönnen mein Trainingspartner und ich uns allerdings einen Gang zum "Mongo´s". Die Leute in NRW werden es kennen. Das ist ein Restaurant, wo man sich diverse Fleisch- und Fischsorten mit den unterschiedlichsten Beilagen frisch zubereiten lassen kann. Mehr Qualität an Nahrung kann man kaum kriegen… Trotzdem unterstütze ich meine Ernährung mit Proteinpulver, Kreatin, sowie Vitamin und Mineralstoffkomplexen. Welche Dinge gefallen Dir momentan nicht an der gegenwärtigen Situation im Kraftdreikampf? Und was empfindest Du hingegen als positiv? Kraftdreikampf ist halt eine Randsportart. Nur wenige finden wirklich die Motivation, sich regelmäßig in den drei Übungen zu verbessern und auf Wettkämpfe zu gehen. Wenn ich mir die Teilnehmerzahlen der Bezirks- und Landesmeisterschaften ansehe, wird das ganz deutlich. Es fehlt leider die öffentliche Akzeptanz unseres Sportes. Ich glaube da sollte jeder von uns seinen Teil dazu beitragen, dass sich diese Situation verbessert. Das fängt schon damit an, Leute zu motivieren, auf Wettkämpfe zu gehen. Ich glaube, dass viele eigentlich Lust auf Kraftdreikampf hätten, sich aber nicht die Mühe machen, sich einen Verein zu suchen oder Angst haben, dass Sie viel zu schwach wären und sich nur blamieren. Wenn man hört, dass jemand bei einem Wettkampf über 400 KG gedrückt hat, ist das ja auch fast verständlich! Hier kann wahrscheinlich nur Aufklärung und Hilfestellung von uns KDK-Erfahrenen erfolgen. Viele Talente, die ich in einigen Studios sehe, habe ich auch schon direkt angesprochen. Je mehr Leute wir für den Sport gewinnen können, um so besser! Die nächste große Chance, die wir haben, unseren Sport in der Öffentlichkeit positiv darzustellen, sind die World Games 2005 in Duisburg. Es wäre natürlich schön, wenn wir die Halle voll kriegen würden und eine gute Stimmung machen, so dass es auch eine gute Außenwirkung hat. So wie ich gehört habe sind die Eintrittspreise der Größenordnung angepasst und nicht mit dem Eintritt (wenn überhaupt) einer lokalen Meisterschaft zu vergleichen. Karten gibt's ab 13,45 Euro. Das sollte uns aber, denke ich, nicht abschrecken… Wann haben wir sonst mal die Gelegenheit hier in Deutschland einen KDK-Wettkampf mit Weltklasseniveau live zu erleben und nicht zuletzt sollten wir natürlich unsere deutschen Vertreter zu Bestleistungen anfeuern… Ich selbst durfte bei der Vorfreude-Aktion der World-Games 2005 mit Silke Rottenberg, unserer Torfrau der Frauen-Fußballnationalmannschaft, bei einem Foto-Shooting die Kraftsportler vertreten. Wer sich über die World-Games informieren möchte, kann das auf der Homepage: www.worldgames2005.de machen. Es werden übrigens auch noch Helfer mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten gesucht. Wer Interesse hat, kann ein Online-Fragebogen auf der Seite ausfüllen. Positiv finde ich allerdings, dass die Stimmung/Atmosphäre bei den Wettkämpfen deutlich besser geworden ist. In meiner Anfangszeit waren alle ganz verbissen und nur mit sich selbst beschäftigt. Mittlerweile hat man doch das Gefühl, dass wir eine große Familie sind, und so sollte es auch sein! Ich würde mich freuen, wenn der Sport wieder im Mittelpunkt stehen würde. Egal in welchen Verband die Leistungen erbracht werden, sollten sie auch so akzeptiert und nicht niedergemacht werden, so wie man es öfters im Internetforum mitbekommt. Ob ein Versuch z.B. gültig ist oder nicht sollte man doch den Kampfrichtern überlassen, die direkt daneben sitzen! Ich persönlich starte beim BVDK/IPF, weil hier meiner Meinung nach die Anerkennung noch am Größten ist und Titel am meisten zählen! Natürlich kann ich verstehen, dass viele Athleten in anderen Verbänden starten, und die Leistung akzeptiere ich genauso. Nur kann ich meine Leistung nicht direkt mit diesen Athleten vergleichen, da die Bedingungen halt andere sind. Aber jeder so wie er will… Ich würde mir auch wünschen, dass es nur einen Verband gäbe, damit die Titel auch so aussagekräftig wie möglich sind und die Leistungen auch unter denselben Bedingungen stattfinden. Aber da gibt es eben unterschiedliche Vorstellungen von den Rahmenbedingungen. Bitte versorge uns doch mit ein wenig Inspiration und nenne uns ein paar Deiner Trainingsleistungen, wenn möglich bitte auch von Nicht-KDK-Übungen. Die Nebenübungen trainiere ich eigentlich relativ leicht. Vor allem bleibe ich hier auch in dem Wiederholungsbereich von 10-12. Hier mal einige Übungen mit Trainingsgewichten für diese WH-Zahl: T-Hantel rudern: 80-90 KG Trizepsdrücken stehend: 50-60 KG (teilweise zusätzl. mit Deuser-Band) Bizeps-Curls stehend mit Kurzhantel: 27,5-30 KG Kurzhantel Trizeps Extensions liegend: 25-30 KGAnsonsten an meinen schweren Tagen z.B. folgende Gewichte für 1-3 WH: Bankdrücken mit Bändern von oben: 230 KG Bankdrücken mit Ketten: 220 KG Floorpress: 210 KG Bankdrücken Lockouts: 290-300 KG Nackendrücken Lockouts: 230-240 KGWo siehst Du dich sportlich in zwei Jahren? Ich will mich natürlich weiterhin deutlich verbessern und hoffe, dass ich in 2 Jahren so 280 KG bis 290 KG drücken kann. Immer vorausgesetzt man bleibt verletzungsfrei… Wo ich mit diesen Leistungen dann stehe ist wieder eine andere Frage, denn wir werden ja alle stärker, aber ich hoffe, dass ich mir damit den DM-Titel sichern kann und auch international zu den Top 5 gehöre. Was steht als nächstes in Deinem Terminkalender an? Mein nächster Wettkampf wird wahrscheinlich die EM in Ungarn im September 2005 sein. Evtl. noch ein Start bei den Landes-Mannschaftsmeisterschaften. Möchtest Du zum Schluss noch etwas sagen? Ich wünsche allen ein erfolgreiches Jahr 2005 und viele neue persönliche Bestleistungen! Heiko, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Deine Zukunft. |