|
|
Das Große Eva-Maria Gall - Interview Teil 1
von Andreas Hadel
Eva Gall gehört zum Nationalkader des BVDK. Wie sie zum Kraftsport gekommen ist, welche Erfahrungen sie gemacht hat und welche Ratschläge sie anderen Kraftsportlerinnen geben kann erfahren Sie im nun folgenden ersten Teil des großen Eva-Maria-Gall-Interviews.
| Andreas Hadel : |
Wie war Deine Einstellung zum Kraftsport, bevor Du ihn für Dich entdeckt hast ? |
| Eva Gall : |
Das "Warum" kann ich nicht erklären, aber schon immer haben muskulöse Körper einen speziellen Reiz auf mich ausgeübt. Muskeln bedeuten für mich,
oder sind ein Synonym für Kraft und Anmut, egal ob sie einen weiblichen oder männlichen Körper formen.
Schon als Teenager stand für mich fest,
wenn ich in die nächst-größere Stadt ziehe, dann werde ich mich sicher in einen solchen Folterkeller begeben und trainieren.
In dem kleinen Nest, wo
ich aufwuchs, konnte man seine Kraft höchstens mit Zementsäcke-schleppen, Ziegelsteine-tragen oder Holz-hacken steigern. Alles sehr bodenständige
Kraftsportarten, die so anfallen, wenn man Haus baut und mit Holz heizt! Keine Bange:Strom aus der Steckdose und Wasserleitungen kennen wir auch
schon mittlerweile im Bay. Wald!!
|
| Andreas Hadel : |
Welche Kraftsportlerinnen waren oder sind für Dich Vorbild oder Inspiration ? |
| Eva Gall : |
Es waren 2 Kraftsportlerinnen, die mich inspirierten und meinen Eifer anstachelten ihnen gleichzutun. Als ich in Frauenau mit dem Bankdrücken begann,
war damals Sabine Waldbauer die Lokalmatadorin. Mir war es einfach ein Rätsel, wie man als Frau mit 60kg Körpergewicht ganze 90 bzw. 100kg drücken
konnte.Ich war nur noch baff. Wenn mir damals jemand prophezeit hätte, ich würde in ein paar Jahren sogar 117.5kg drücken, demjenigen hätte ich den guten
Tipp gegeben, er solle sich doch mal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.
Tja so kann man sich irren und was einem unmöglich erscheint wird doch
wahr. Später wurde Doris Schumacher, so etwas wie ein Vorbild für mich. Vor Jahren hatte ich mit ihr ein Training in Landshut absolviert. Der Eifer meinerseits
war natürlich riesig und das Ergebnis dieses Trainings war ein Monstermuskelkater. Für Doris war es wahrscheinlich nur ein leichtes Aufwärmtraining, ich dagegen
war nur noch tot.Etliche Tage später wußte ich immer noch nicht, wo bei mir vorne und hinten war. Doris ist nicht nur physisch wahnsinnig stark, sondern sie
ist vor allem auch ein bemerkenswert netter, fairer und hilfsbereiter Mensch. Sehr schade, dass sie sich aus dem Kraftsport zurückgezogen hat.
|
| Andreas Hadel : |
Manchmal werden Frauen, die Kraftsport ernsthaft betreiben, von Nichtsportlern und Nichtsportlerinnen belächelt oder als "Emanzen" abgetan. Hast Du in der Hinsicht negative Erfahrungen gemacht ? - Wenn ja, wie bist Du damit umgegangen ? |
| Eva Gall : |
Um eines mal klarzustellen, als Weibchen oder Heimchen am Herd wird man sicher keine Kraftdreikämpferin. Auch eine gewisse psychische Stärke ist schon
vonnöten, wenn man sich in einer Männerdomäne behaupten will. Aber als Emanze hat mich auch noch nie jemand betitelt. Sicherlich bin ich ein Mensch der
klare Vorstellung vom Leben hat und weiß was und wie ich es haben will. Gut 90% der Männer und Frauen reagieren äußerst positiv auf meinen Körper. Sehr
oft habe ich auch von Frauen Komplimente bekommen für meinen durchtrainierten Körpers. Darüber war ich dann schon oft verwundert, da ich eher aus diesem
Lager mit Kritik gerechnet hätte. Übrigens diese Frauen waren hetero und nicht lesbisch! Männer zeigen sich oft interessiert und fragen nach, was für eine Sport-
art ich betreibe.
Allerdings tippen die Meisten eher auf Schwimmerin( da würde ich glatt absaufen) oder auch Eisschnelläuferin ( Pechstein und Friessinger zieht
euch warm an!) Die Jungs können es oft gar nicht fassen, wenn die hören, welche Lasten ich bewältige. Besonders das Kreuzheben mit 200 kg geht den Wenigsten
in den Kopf. Prüfende und auch skeptische Blicke und die Frage: Wie machst du das, man sieht ja gar keine Muskeln?! sind gerne Reaktionen von Gesprächs-
partnern. Wenn ich nicht gerade ärmellos durch die Gegend zeihe, dann sieht man muskelmäßig nicht sehr viel.
Übrigens habe ich mich noch nie sonderlich um Gesellschaftsnormen gekümmert und mich auch keinem Modediktat unterworfen. Ich lebe einfach mit der Tatsache,
dass ich nie eine Laufstegschönheit geworden wäre. Mein Körperbau gleicht nun mal nicht einer Gazelle, zwar bin ich auch kein Rindvieh, sondern um im Tierreich
zu bleiben, eher ähnlich einer Tigerin! I am what I am!!
|
| Andreas Hadel : |
Was sollte Deiner Meinung nach speziell im Frauenkraftsport verbessert werden, damit mehr Frauen den Weg an die Hantel finden ? |
| Eva Gall : |
Viele starke Frauen haben keine Lust auf Kraftdreikampf, da die Ausrüstung einfach ätzend ist. Mädels finden es einfach unmöglich, wenn sie ihre Körper in enge
Anzüge und Hemden zwängen müssen. Sonderlich sexy wirkt man sicherlich nicht, wenn man wie eine Wurstpelle mit abgespreizten Armen rumsteht und auf den
nächsten Versuch wartet.
Auf diverse Gefühlerlebnisse in den Strampelanzügen können auch viele Frauen mit Freude verzichten. Eine Lösung wäre hier vielleicht
sogenannte Naturalshow`s, wo außer einem Gürtel und evtl. noch Bandagen (leichte) keine Hilfsmittel erlaubt sind. Der Druck, dass man mit der ungeliebten Aus-
rüstung starten muß, da sonst eine Chance auf eine vordere Platzierung nicht gegeben ist, ist erst einmal weg.
Wenn "Frau" doch Lust auf mehr bekommt, dann
kann sie sich ja immer noch mit den süßen Spielsachen anfreunden und die Gummistrampler hervorholen.
|
| Andreas Hadel : |
Wie sollten Anfängerinnen am besten trainieren und was sollten sie beachten ? |
| Eva Gall : |
Anfängerinnen sollten zu Beginn ein Ganzkörperprogramm 2-3 x pro Woche absolvieren und das
Hauptaugenmerk auf vermehrtes Training an Maschinen richten. Der Körper soll sich erst auf
die ungewohnte Belastungsweise einstellen. Ich halte zwar vom Training an Maschinen nicht sehr viel, aber der Aspekt der größeren Sicherheit geht hier vor. Für große Muskelgruppen sind 3 Übungen
okay, die kleinen Muskelgruppen sind mit 2 Übungen auch zufrieden. Pro Übung 2-3 Sätze und der
Käse ist gegessen. Wer sich unbedingt an die Beugen wagen will, der kann ja zu Beginn den Besenstil
der Oma missbrauchen und Trockenübungen machen. Später ist die leere Hantelstange in der Regel genug Herausforderung um sich anständig zu quälen. Der Erfolg ist um so größer, ja exakter die er-
lernte Technik ist.
Nach einem halben Jahr müsste sich genügend Grundkraft und vor allem Körper-
spannung entwickelt haben, um sich interessanteren Einheiten widmen zu können. Ideal ist es natürlich, wenn man jemanden im Umkreis kennt, der mit der Materie Powerlifting vertraut ist.
Ein Profi kann einem tolle Tipps geben, kann das Training überwachen und natürlich auch Trainings-
pläne schreiben. Ich hasse zwar Pläne, aber früher oder später kommt man nicht mehr ohne sie aus.
Gibt es keinen solchen Wunderknaben im Umkreis, dann muss es halt ein normaler Fitnesstrainer
auch tun. Leider haben die Meisten dieser Gurus nicht viel Ahnung von Beugen oder Kreuzheben. Für die T-Shirt-Muskeln muss man sich ja auch nicht so anstrengen. Na ja, besser wie nichts, schnappt
euch den Kerl, aber platzt nicht gleich mit eueren Ambitionen heraus, sonst versucht er gewiss, euch
zum Fitnessport zu bekehren.
Solltet ihr alleine trainieren, dann holt euch um Himmelswillen jemanden zur Hilfestellung. Es macht nicht gerade viel Spaß, wenn man unter etlichen Kilos begraben
wird und keine Ahnung hat, wie man aus dieser misslichen Situation sich befreien kann. Da muss
"Frau" über ihren Schatten springen und die Jungs anquatschen. Keine Sorge, die wenigstens Jungs
beißen und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja mehr als nur eine Hilfestellung...
Strebt man gewisse Erfolge an, dann sollten Disziplin und Ausdauer kein Fremdwort sein. Auch
darf man nicht vergessen, wir betreiben keinen typischen Frauensport, sondern kämpfen uns in einer
Randsportart und zudem noch in einer Männerdomäne durch.
|
Im zweiten Teil des Interviews gibt Eva weitere Tipps und Tricks zum Training und plaudert über ihre Hobbies und ihrer Wettkampf-Karierre.
|
|