Nummer 12
Ausgabe 1/03
PowerTraining - Das OnLine-Magazin für Kraftsportler
 
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Hypertrophie vs. Neuronale Aktivierung

von Andreas Hadel

Wie Sie vielleicht wissen, hängt die Maximalkraft von den folgenden drei Faktoren ab :

1. Muskelfaserzusammensetzung
2. physiologischer Muskelquerschnitt
3. willkürliche Aktivierungsfähigkeit

Während die Muskelfaserzusammensetzung weitgehend genetisch vorgegeben ist, können der physiologische Muskelquerschnitt und die willkürliche Aktivierungsfähigkeit gezielt durch Training beeinflußt werden.

Diese beiden Faktoren benötigen jedoch jeweils eine unterschiedliche Art des Trainings und unter Umständen auch der Ernährung.

Soll bei einen Athleten die maximale Kraftleistung erhöht werden, so müßte zuerst festgestellt werden, ob eine Schwäche auf muskülärer Seite, also zu geringer Muskelquerschnitt, oder auf neurologischer Seite, also keine optimale Faserrekrutierung, vorliegt.

Oberstes Ziel für jeden wettkampfambitionierten Kraftsportler sollte ein Kraftgewinn durch die optimale Faserrekrutierung sein, um das Körpergewicht so gering und die relative Kraft so groß wie möglich zu halten.

Erst wenn die vorhandene Muskelmasse keine weitere Kraftsteigerung zuläßt, sollte man das Training auf Hypertrophie ausrichten. Wie kann man aber herausfinden, ob eine muskuläre oder neuronale Schwäche vorliegt ?

In der sportwissenschaftlichen Literatur wird diese Frage folgendermaßen beantwortet :

Ist das Kraftdefizit zwischen der maximalmöglichen exzentrischen Wiederholung und der maximalmöglichen konzentrischen Wiederholung einer Referenzübung größer 20%, so ist die Faserrekrutierung nicht optimal. Es liegt also eine Schwäche auf der neurologischen Seite vor. Ist hingegen das Defizit kleiner 20%, so ist davon auszugehen, dass der Athlet über eine optimale Faserrekrutierung verfügt und für weiteren Kraftgewinn ein Zuwachs an Muskelmasse benötigt wird.

Der Vergleichswert von 20% stellt lediglich einen Durchschnitt dar und variiert von Athlet zu Athlet, dennoch kann er zur Orientierung herangezogen werden. Es obliegt dem Trainer oder dem Athleten selbst, den Wert individuell anzugleichen.

Um ein Massegewinn zu realisieren ist ein Hypertrophie-Training von mindestens 4-6 wöchiger Dauer zu absolvieren. Die neuronale Aktivierung kann bereits in 2-3 Wochen durch spezielles Training verbessert werden.

Literatur:

Hohmann, Lames & Letzelter :
"Einführung in die Trainingswissenschaft".
Limpert UTB für Wissenschaft


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