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   Zum Inhalt von PowerTraining Nr. 32
PowerTraining (Magazin-Nr. 32) - 4. Jahrgang   
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Sich dünne machen
Eine Kolumne mit Andreas Hadel über Freud und Frust des Abnehmens

    Abnehmen. Ein grässliches Wort und auch eine grässliche Sache. Oben auf den Bildern bin zweimal ich zu sehen. Dazwischen liegen rund 30 kg. Ich will mich hier in dieser Kolumne nicht als neuen Diätpapst darstellen, obwohl man mir diesen Status auf Grund dieser zwei Photos hin und wieder unterstellt. Ich kann jedoch nicht mit einer ausgebufften Diätstrategie, die keinerlei Anstrengung und Verzicht bedeutet, aber Ihnen garantiert das Fett von den Knochen reißen wird, dienen. Dafür aber mit einigen Jahren Diäterfahrung und einer langen Liste - und darauf bin ich ein bisschen stolz - gemachter Diätfehler.

    Nun denn, auf geht's.

    Warum abnehmen?
    Sehr gute Frage. Ich muss gestehen, dass ich persönlich darauf nicht immer eine rationale Antwort finde. Aber es gibt einige Dinge, die vor allem aus praktischer Sicht für eine Diät sprechen. Zum Beispiel wenn Sie merken, dass Ihr hohes Körpergewicht, Sie ganz eindeutig im Alltag belastet. Diese Einsicht dürfte nicht schwer fallen.

    Als bei mir die Waage 105 kg anzeigte, fand ich das eigentlich nicht sonderlich tragisch. Zumal im Kraftsport der Begriff "schwer" ohnehin eine weite Relation besitzt. Aber mein Körper gab mir jedoch zahlreiche Signale, dass es an der Zeit war, etwas weniger Last durch die Hauptstadt zu bewegen.

    Gelenkschmerzen waren beispielsweise eines dieser Zeichen. Selbst wenn ich gerade eine Regenerationsphase eingelegt hatte, schmerzten meine Gelenke, als hätte ich eine Woche tägliches Maximalkrafttraining hinter mir. Dass ich die 500 Meter zum Bahnhof nicht mehr in weniger als 20 Minuten bewältigen konnte, ohne dabei wie ein alterndes Schlachtross ins Schnaufen und Schwitzen zu geraten, machte mich ebenfalls etwas stutzig.

    Eigentlich genug Gründe, um wenigstens über eine Diät nachzudenken. Bei mir war aber letztendlich ausschlaggebend, dass meine Kraftleistungen nicht mehr in einem vorzeigbaren Verhältnis zu meinem Körpergewicht standen. Und dann wird's ja für einen Kraftsportler irgendwie peinlich.

    Natürlich spielt auch das Aussehen eine gewisse Rolle. Aber eines kann ich Ihnen schon jetzt versichern. Falls Sie übergewichtig sind und glauben, dass Sie nach einer Diät völlig zufrieden mit Ihrem Körper sind und nichts mehr daran auszusetzen haben, irren Sie sich ganz gewaltig.

    Wenn Sie schlank sind, was auch immer Sie darunter verstehen, werden Sie vielleicht nicht mehr mit Ihrer Kleidergröße hadern oder damit, dass Sie ihre Schuhe nur beschwerlich zubinden können. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit finden Sie dann an sich irgendetwas anderes, dass nicht ganz Ihren Idealvorstellungen entspricht.

    Sei es Ihre Nase oder Ihre mangelnden Italienischkenntnisse, die verhindern, dass Sie sich mit der Bedienung aus Ihrem Lieblingslokal verabreden können, obwohl sie so hemmungslos mit Ihnen flirtet, seitdem Sie rund 20 Pfund weniger wiegen. Und wissen Sie was? - Es liegt in der Natur der Sache, dass wir immer beständig an uns arbeiten. Erreichen wir ein bestimmtes Ziel, setzen wir uns ein höheres. Ohne Ziele wäre das Leben in jeder Hinsicht ziemlich langweilig. Aber das wissen ja ohnehin schon, denn sonst wären Sie nicht beim Kraftsport gelandet. Quasi der höchsten Evolutionsstufe des Sports.

    Diät - Wie funktioniert das?
    Im Wesentlichen müssen Sie drei Dinge verstehen, die bei jeder Diätform zu berücksichtigen sind. Die wichtigste und unabdingbare sowie in wirklich keiner Art und Weise umgehbare Bedingung lautet:

    KALORIENDEFIZIT!
    Egal, welche Diät gerade "angesagt" ist oder Ihnen, aus welchen Gründen auch immer, empfohlen wird, muss eine Bedingung erfüllt werden: Am Ende des Tages müssen Sie mehr Kalorien verbraucht, als zugeführt haben.

    Das ist die simple und schlichte Wahrheit einer jeden Diät. Wenn dieses grundlegende Prinzip nicht eingehalten wird, ist es völlig irrelevant, ob Sie nun auf eine fettarme Ernährung achten oder auf eine kohlenhydratreduzierte Lebensweise setzen. Jede Kalorie, egal von welcher Nährstoffgruppe sie stammen möge, die nicht für Ihren Energiebedarf gebraucht wird, lagert sich in Ihren Fettzellen ein und wartet dort auf seinen Abruf. (Okay, für die fortgeschrittenen Diätiker: Das Fett wartet nicht auf seinen Abruf, sondern zirkuliert hin und wieder mal eben durch die Blutbahn. Aber dazu mehr in einer späteren Folge dieser Kolumne.)

    So gesehen können Sie sogar dann abnehmen, wenn Sie sich ausschließlich von Süßkram ernähren würden, sofern Sie ein Kaloriendefizit einhielten. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass es funktioniert. Zugegeben eine verlockende, wenn auch nicht sehr ausgewogene und für Kraftsportler optimale Strategie.

    STOFFWECHSEL AUF TRAB HALTEN
    Der zweite wichtige Punkt ist, dass der Stoffwechsel kein statisches System ist. So wie unsere Muskeln sich an steigende Belastungen anpassen können, kann das auch der Stoffwechsel an eine niedrigere Nahrungsaufnahme.

    Mit anderen Worten, wenn Sie ihren Körper weniger Energie zur Verfügung stellen, baut er zwar zunächst Körperfett ab, fährt aber auch gleichzeitig einige chemische Aktivitäten etwas herunter, um soviel Fett wie möglich für echt schlechte Zeiten zu sparen. Dieses "Fettsparen" für Notsituationen mag ja von Mutter Natur als geniales Konzept gedacht sein, wird aber von unserem Körper in etwas radikaler Weise interpretiert. Denn selbst wenn Sie kurz vor'm verhungern sind, weigert sich ihr Körper beharrlich, die letzten Fettreserven zu verfeuern.

    Wenn sich ihr Stoffwechsel an eine bestimmte Energieaufnahme angepasst hat, haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie nehmen noch weniger Kalorien zu sich oder sie halten Ihren Energiestoffwechsel bei Laune. Ersteres machen meistens körperbewusste Damen, indem Sie weniger essen als ein Igel während des Winterschlafs. Dies führt unweigerlich zu einer Leistungsabnahme, weshalb diese Strategie für Kraftsportler nicht empfehlenswert ist.

    Daher wäre es also ratsamer, den Stoffwechsel trotz einer defizitären Diät relativ konstant zu halten. Das schaffen Sie beispielsweise durch regelmäßiges Training und durch eine zyklische Form der Kalorienaufnahme. Sie könnten beispielsweise Montags 2800 kcal, Dienstags 3000 kcal, Mittwochs 2500 kcal zu sich nehmen. So können Sie verhindern, dass sich Ihr Stoffwechsel auf ein bestimmtes Niveau einpendelt. Wenn Sie zudem Ihre tägliche Nahrungszufuhr auf 5-8 Mahlzeiten verteilen, haben Sie den Stoffwechsel fast vollständig im Griff.

    NÄHRSTOFFREICHE NAHRUNGSMITTEL
    Die letzte Regel ist, dass Sie im Zuge einer Diät zwar energiearme Nahrungsmittel bevorzugen sollten, um das Kaloriendefizit einzuhalten, sich jedoch gleichzeitig nährstoffreich ernähren müssen. Obwohl es wie einer klingt, ist das kein Widerspruch!

    Beispielsweise haben Früchte häufig wenig Kalorien, aber einen hohen Anteil an Vitaminen und besitzen eine moderate Menge an einfachen Kohlenhydraten. Gummibärchen hingegen beinhalten so gut wie keine Vitamine, sondern liefern auf Grund der einfachen Kohlenhydrate ausschließlich Energie. Deshalb spricht man dabei auch häufig von sogenannten leeren Kalorien, da sie zwar kalorientechnisch ordentlich zu Buche schlagen, aber keine zusätzlichen Features wie Vitamine, Mineralien oder Ballaststoffe haben, die aber wiederum für Ihre Leistungsfähigkeit von Bedeutung sind.

    Wie ich vorhin schon erwähnt habe, muss man auch während einer Diät nicht völlig auf Süßigkeiten verzichten, sofern Sie das Kaloriendefizit einhalten. Aber bedenken Sie, dass diese leeren Kalorien Ihnen die Möglichkeit nehmen, sich vollwertig zu ernähren und es so zu Mangelerscheinungen und Leistungseinbußen kommen kann.

    Mit diesen drei Prinzipien können Sie sich schon eine eigene Diät zusammenbasteln. Beim nächsten Mal erzähle ich Ihnen u.a. ein wenig von meinen Erfahrungen mit kohlenhydratreduzierten Diäten und ob meine Skepsis gegenüber dieser Diätform, die mir meinen geliebten texanischen Butterkuchen verbietet, berechtigt war.

[ Allgemeine Hinweise ] | [ Literaturverzeichnis ]

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